Dem Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinsberg wurde am Sonntag eine besondere Ehre zuteil: Im Rahmen einer Veranstaltung wurde er in die Liste „Immaterielles Kulturerbe Deutsche Friedhofskultur“ aufgenommen. Die Feier, zu der die Organisatoren, Jakob Heyde vom Gemeindekirchenrat und Dr. Eberhard Gläser vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg, knapp 30 Rheinsberger Einwohner begrüßen konnten, fand auf dem kirchlichen Friedhof statt.
Die Idee, der Initiative beizutreten, entstand vor über einem Jahr. Wie Jakob Heyde erklärte, kam die Anregung vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg. Der Verein hatte erfahren, dass einige Friedhöfe in unserer Region Teil dieser Initiative sind. So entstand nach mehreren Gesprächen mit der Pfarrerin, dem Kirchengemeinderat, den Bestattern und den Friedhofsgärtnern das Einvernehmen, ebenfalls der Charta beizutreten.
In der Folgezeit wurden entsprechende Kontakte zu dem Kuratorium aufgenommen und ein Antrag zur Aufnahme gestellt, der positiv beschieden wurde. Auf der Feier am Sonntag unterzeichneten Jakob Heyde namens der Kirchengemeinde und Eberhard Gläser für den Verein Stadtgeschichte eine Urkunde über den Beitritt. Gleichzeitig verweist eine an der Trauerhalle neu angebrachte Hinweistafel auf den besonderen Status des Friedhofes.
Wie Jakob Heyde am Sonntag erklärte, ist die Friedhofskultur in Deutschland seit 2020 Teil des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Koordiniert durch ein Kuratorium haben die Evangelische Kirche in Deutschland, die Deutsche Bischofskonferenz, der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der Verband der Friedhofsverwalter, der Bundesverband der Bestatter und weitere Partner sich die Aufgabe gestellt, Friedhöfe als Orte der Erinnerung zu gestalten, zu erhalten und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Anliegen ist es, die traditionellen Trauerrituale mit der Beisetzung auf einem Friedhof als Ort der Trauer in zeitgerechter Form zu erhalten und einen würdigen Abschied von Menschen und Angehörigen zu sichern. Dem sieht sich auch die Kirchengemeinde Rheinsberg verpflichtet. Laut Heyde gibt es unter anderem Überlegungen, neue Begräbnisflächen für Urnenbestattungen anzulegen, um den Friedhof in seiner Gestaltung aufzuwerten. Immerhin seien Friedhöfe fortschreibende Geschichtsbücher von historischer Bedeutung und Denkmale der Geschichte.
Eberhard Gläser nutzte am Sonntag die Gelegenheit, mit den Anwesenden einen Exkurs in die Geschichte der Rheinsberger Friedhöfe zu unternehmen. Er berichtete, dass sich schon vor vielen hundert Jahren Menschen in der Region ansiedelten. Der erste Rheinsberger Friedhof befand sich unmittelbar neben der Kirche, bis er nach dem Stadtbrand 1740, bei dem ein Großteil der Häuser dem Feuer zum Opfer fielen, außerhalb der Stadt einen neuen und größeren Platz fand. Als auch dieser Friedhof nicht mehr ausreichte, entstand ein weiterer, der heute von der Stadt verwaltet und bewirtschaftet wird.
Seitdem gibt es in Rheinsberg zwei Friedhöfe, auf denen auf Initiative des Vereins Stadtgeschichte jeweils Gedenkorte eingerichtet wurden. So kümmert sich der Verein vor allem um die Grabanlagen von Rheinsberger Ehrenbürgern und Persönlichkeiten, im Besonderen, wenn die Liegezeit abgelaufen ist und es keine Nachfahren gibt, die diese Gräber pflegen. So entstand auch die Idee der „Grabpatenschaft“, indem sich Unternehmen und Geschäftsleute bereiterklären, sich um diese Ruhestätten zu kümmern. Die Apothekerin Andrea Jokisch aus Rheinsberg und der Steinmetzmeister Mario Tramontin aus Gransee, erhielten am Sonntag als neue Grabpaten ihre Ernennungsurkunde.
Wie Jakob Heyde am Sonntag erklärte, sind Friedhöfe ein Ort der Erinnerung an verstorbene liebe Menschen. Friedhöfe sind aber auch Plätze zum Trauern, Orte des Klima- und Naturschutzes, Skulpturenparke, Sauerstoffspender und Seniorentreffs. Und sie besitzen oftmals auch Grabstätten und Denkmäler, die an die Opfer von Kriegen und Gewalt erinnern. Damit sind sie Orte mit tragenden Säulen der Erinnerungskultur, indem sie zum Frieden mahnen, sowie zur Verständigung zwischen den Nationen, Völkern und Kulturen beitragen.
Jürgen Rammelt
27.9.2026

