Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 25.08.2026)
Ein Ort mit einem besonderen Status
Der kirchliche Friedhof in Rheinsberg identifiziert sich mit den Zielen der „Charta Kulturerbe Friedhofskultur". Von Jürgen Rammelt
Der Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde Rheinsberg ist ein besonderer Ort. Und weil das so ist, wird ihm demnächst eine besondere Ehre zuteil: Im Rahmen einer Veranstaltung wird er am 27. September in die Liste „Immaterielles Kulturerbe Deutsche Friedhofskultur" aufgenommen. Die Feier auf dem Friedhof, zu der die Rheinsberger herzlich eingeladen sind, beginnt um 14 Uhr. Die Idee, der Charta beizutreten, entstand vor etwa einem Jahr. „Irgendwer hatte gelesen oder erfahren, dass die Friedhofe von Neuruppin, Krangen, Wulkow und Storbeck Teil dieser Initiative sind", berichtet Eberhard Glaser, der im Auftrag des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg die Verbindungsperson zur evangelischen Kirchengemeinde und speziell fair deren Friedhof Ansprechpartner ist.
Grabplatten betreuen abgelaufene Stellen
Und da der Verein auf dem Friedhof einen Gedenkort eingerichtet hat und besondere Gräber pflegt, entstand die Idee, warum nicht auch Rheinsberg in diese Richtung aktiv werden könnte. „Die folgenden Gespräche mit dem Gemeindekirchenrat und Frau Eisenack, der Pfarrerin, verliefen einvernehmlich und zielführend", so Gläser. „Es wurden entsprechende Kontakte aufgenommen und im Auftrag der Kirchengemeinde ist Jakob Heyde mit der Vorbereitung der Veranstaltung betraut." Inzwischen sind auch die sonstigen Verantwortlichkeiten festgelegt und der Antrag zur Aufnahme wurde positiv beschieden. An den Kosten, die sich im unteren dreistelligen Bereich bewegen, beteiligen sich die Rheinsberger Bestatter und die Kirchengemeinde. Neben der Anbringung einer Hinweistafel zum Beitritt der Charta werden zur Feier im September auch zwei Grabstellen, deren Liegezeit abgelaufen ist, in die Obhut von Grabpaten übergeben - einer Initiative des Vereins Stadtgeschichte. Die Deutsche Friedhofskultur ist seit 2020 Teil des Immateriellen Kulturerbes der Unesco. Koordiniert durch ein Kuratorium haben die Evangelische Kirche in Deutschland, die Deutsche Bischofskonferenz, der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der Verband der Friedhofsverwalter, der Bundesverband der Bestatter und weitere Partner die Aufgabe übernommen, Friedhöfe als Orte der Erinnerung zu gestalten, zu erhalten und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. „Anliegen ist es, die traditionellen und gewachsenen Trauerrituale mit der Beisetzung auf einem Friedhof als Ort der Trauer in zeitgerechter Form zu erhalten und einen würdigen Abschied von lieben Menschen und Angehörigen zu sichern. Dabei tragen die Grabanlagen der Friedhofe aktiv zum Klima- und Naturschutz bei. Als sich selbst fortschreibende Geschichtsbücher sind Friedhöfe von großer historischer Bedeutung und Denkmale der Geschichte", heißt es in der Charta. Auch als Grabstätten und Denkmäler für die Opfer von Kriegen und Gewalt sind diese Orte tragende Säulen der Erinnerungskultur, die zum Frieden mahnen sowie zur Verständigung zwischen den Nationen, Völkern und Kulturen beitragen.
[ Foto mittig] Der Verein Stadtgeschichte hat auf dem kirchlichen Rheinsberger Friedhof einen Gedenkort eingerichtet. Foto: Jürgen Rammelt
