Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 29.07.2026)
Tony Torrilhons Specht erhält einen neuen Standort
Das Kunstwerk am Haus des Künstlers in Rheinsberg hat mehr als 20 Jahre für Aufsehen gesorgt. Jetzt wurde es abgebaut. Von Jürgen Rammelt
Der Specht von Tony Torrilhon in der Rheinsberger Schlossstraße war ein beliebtes Fotomotiv. In dieser Woche wurde er mit vereinten Kräften abgebaut. Nach dem Tod des Künstlers, soll der metallene Vogel auf dem Hof des Hauses der Stadtgeschichte einen neuen Standort erhalten. Eigentlich wollte Tony Torrilhon dabei sein, wenn der Specht den „Abflug" zu einem neuen Standort antritt. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen. Das schnelle Fortschreiten seiner Erkrankung und letztendlich sein plötzlicher Tod am 9. November 2025 hat es nicht mehr dazu kommen lassen. Der überdimensionale Vogel am Eingang zum „L' atelier" gehört zu den bemerkenswertesten Kunstwerken des Grafikers, Kupferstechers und Holzbildhauers. Geschaffen hat der Rheinsberger den Specht 2004, als der Protest gegen die Wiederinbetriebnahme des Bombodroms in der Kyritz Ruppiner Heide allgegenwärtig war. Nachdem an zahlreichen Orten in der Region im Rahmen der Protestveranstaltungen einheimische Künstler mit der Schaffung von Mahnsäulen, Figuren und anderen Kunstwerken ihre Verbundenheit mit den Demonstrierenden bekundet hatten, wollte Tony Torrilhon nicht abseits stehen und ebenfalls einen Beitrag dazu leisten. Die Idee war, einen Vogel zu formen, der ein Kampfflugzeug in seinem Schnabel hält, das er an die Hauswand schlägt. Aus Weidenruten und Haselnusstrieben entstand so das Innenleben und Gerippe eines Spechtes, der außen mit dünnen Blechplättchen verkleidet wurde. Außerdem bohrte der Künstler ein Loch ins Mauerwerk, indem über ein Gestänge und mit einem Motor angetrieben der Schnabel das Flugzeug an die Wand schlagen konnte. Tony Torrilhon war stolz auf sein Kunstwerk, dass er vom Balkon aus immer wieder betrachten konnte. Doch irgendwann stellte sich auch die Frage, was passiert mit dem Specht, wenn er nicht mehr ist. Immerhin durfte er 2021 seinen 90. Geburtstag feiern. Da kam der Geschichtsverein der Stadt ins Spiel, dem der Künstler angehörte und der ihn bereits bei anderen Projekten unterstützt hatte. Noch zu Lebzeiten, vor 'etwa zwei Jahren, wurde .so schriftlich vereinbart, das an einem unbestimmten Tag der Specht abgebaut wird und auf dem Hof des Hauses der Stadtgeschichte einen dauerhaften Platz erhält. „Eigentlich sollte das längst passiert sein", berichtet Hans-Norbert Gast vom Verein. Aber die zunehmende Erkrankung des Künstlers, und da keine Not bestand, führte dazu, dass man sich Zeit mit einem Termin für den Abbau ließ.
Gründliche Untersuchung steht bevor Doch jetzt, nachdem der Künstler seine letzte Reise angetreten hat, wollte der Verein nicht länger warten. Inzwischen wurde auch festgestellt, dass das innere Gerüst des Spechtes völlig verrottet ist. Somit war höchste Vorsicht geboten, damit der Kunstvogel beim Abbau nicht in sich zusammenfällt oder anderen Schaden nimmt. Am Dienstag dieser Woche war es soweit. Unterstützt von einigen Mitgliedern der Rheinsberger Freiwilligen Feuerwehr wurde der Specht vorsichtig von der Wand gelöst und zu seinem neuen Standort transportiert. Jetzt steht dem Vogel eine gründliche Untersuchung bevor, bevor er saniert und repariert sichtbar wieder dauerhaft an einer Wand an Tony Torrilhon und den Protest gegen das Bombodrom erinnert.
[Foto oben ]Der Specht am Haus von Tony Torrilhon in Rheinsberg wird durch Mitglieder des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg, der Feuerwehr und weitere Helfer abgebaut. Foto: Jürgen Rammelt
[Script] Der Specht entstand, als der Protest gegen die Wiederinbetriebnahme des Bombodroms allgegenwärtig war.
