Erinnerung Ein vom Verein Stadtgeschichte initiiertes Werk rekonstruiert mit Zeitzeugenberichten und Archivmaterieal doe letzten Kriegstage 1945, den Neuanfang und die Folgen der Gewalt.
Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 28.05.2026)
Neues Buch beleuchtet Kriegsende
Erinnerung Ein vom Verein Stadtgeschichte initiiertes Werk rekonstruiert mit Zeitzeugenberichten und Archivmaterial die letzten Kriegstage 1945, den Neuanfang und die Folgen der Gewalt. Von Jürgen Rammelt
Es war nicht einfach: 80 Jahre nach dem Kriegsende hatte der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg beschlossen, ein Buch über das Kriegsende in der Stadt heraus-zubringen. Vorbild war der Band „Heimat und Revolution", in dem Rheinsberger über die Wende berichten. „Bevor die letzten Zeitzeugen sterben, sollte die Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1945 dokumentiert werden", so die Idee des Projektes.
Suche nach einem Autor
Schon die Suche nach einem Schreiber gestaltete sich schwierig. Und dann war auch die Finanzierung des Projektes zu klären. „Dank der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin und der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung konnten wir das klären", berichtet Jörg Möller, der Vorsitzende des Vereins. Und mit dem bekannten Journalisten und Kinoexperten Knut Elstermann wurde auch ein Autor gefunden, der im Schreiben historischer Bücher Erfahrung hat. Jetzt ist das Buch, das am Dienstag im Rahmen eines Vortrages der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, fertig. Das Interesse ist überwältigend. Rund 100 Besucher sind zur Lesung gekommen. „Es war eine Mammutaufgabe", sagt Elstermann, der zig Gespräche mit älteren Rheinsbergern geführt und in Archiven geforscht hat. Am Dienstag sind etliche gekommen, um zu hören, was aus ihren Berichten geworden ist, und um mit einem Exemplar des Buches nach Hause gehen zu können. Der Krieg hat Rheinsberg erst spät erreicht. Aus Richtung Gransee näherte sich die Rote Armee der Stadt. Tief haben sich Gewalt und Zerstörung in den letzten Maitagen 1945 in die Erinnerungen der Überlebenden eingebrannt. Berichtet wird über den Todesmarsch, in dem Angehörige der SS die Kolonnen von Überlebenden aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen durch die Stadt in Richtung Wittstock trieben. Knut Elstermann ging der Frage nach, wer den sowjetischen Parlamentär erschossen hat. Er sprach mit Zeitzeugen über die schlimmsten Tage von Rheins-berg, die Fliegerangriffe und sah zahlreiche Akten ein. In seinem Buch, das in Zusammenarbeit mit dem Verein entstanden ist, rekonstruiert er so das tragische Geschehen am Ende des Krieges, schildert den Neuanfang und die langsame Rückkehr zur Normalität. Das Schicksalsjahr 1945 hat Rheinsberg tief geprägt. In einer lebendigen Collage von Erlebnisberichten und historischen Dokumenten werden in dem Buch die Spuren sichtbar. Viele Rheinsberger, aber auch Geflüchtete sowie Angehörige der Wehrmacht, die sich der Gefangennahme durch die Rote Armee entziehen wollen, werden in den letzten Tagen Opfer von Tieffliegern.
Eine Fülle von Informationen
Und es gibt zahlreiche Menschen und ganze Familien, die sich aus Angst vor den Russen das Leben nehmen. So enthält das Buch auch die Todesliste von über 180 Personen, die in Rheinsberg durch Suizid, durch Bombenangriffe und Tieffliegerbeschuss ums Leben kamen. Auf dem städtischen Friedhof der Stadt und an zwei Gedenkorten erinnern Gräber an die Toten auf beiden Seiten des Krieges. „Rheinsberg — Das Jahr 1945" ist ein geschichtsträchtiges Buch, das Aber das Ende des Krieges in Rheinsberg Auskunft gibt. Dass Kriege grausam sind und alle darunter leiden, ist dabei Mahnung und Verpflichtung zugleich. Trotz der Fülle von Informationen bleiben viele Fragen unbeantwortet. Die Anwesenden nutzen die Gelegenheit, sich das Buch vom Autor signieren zulassen. Es ist Schwerstarbeit für Knut Elstermann, der als Wahl-Rheinsberger für jeden ein freundliches Wort übrig hat.
[Foto] Knut Elstermann bei der Vorstellung des Buches über das Kriegsende in Rheinsberg Foto: Jürgen Rammelt
[Scrippt] Knut Elstermann sprach mit Zeitzeugen über die schlimmsten Tage von Rheinsberg
