Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 06.05.2026)
AnniKa von Trier war im Jahr 2021 Stadtschreiberin zu Rheinsberg. Sie ist der Stadt und dem Schloss aber immer noch verbunden und stellt in diesem Jahr wieder einige Veranstaltungen auf die Beine. Archivfoto: Josephine Theodor
Lustvolles Plädoyer für das Ungezähmte
Kultur Rheinsbergs einstige Stadtschreiberin AnniKa von Trier lustwandelt auf den Spuren von Prinz Heinrich und Prinzessin Wilhelmine. Von Jürgen Rammelt
Zum Lustwandeln lädt AnniKa von Trier von Mai bis September Interessierte in Idas Schloss und den Lust-garten Rheinsberg ein. Auf dem Programm der einstigen Rheinsberger Stadtschreiberin, Autorin, Fotografin, Musikerin und Performerin stehen unter anderem die Premiere einer Lese-Performance, eine Buch-Präsentation mit Knut Elstermann und eine Ausstellungseröffnung.
Wie die Künstlerin informiert, lässt sie sich in ihrem aktuellen Buch- und der Lese-Performance-Projekt „LustWandeln oder Warum Prinz Heinrich die Sphinx versetzt" von den Rheinsberger Sphinxen und von Prinzessin Wilhelmine, der Frau des Prinzen Heinrich, faszinieren. Das Interesse der Multimediakünstlerin gilt dabei anlässlich des 300. Geburtstagsjubiläums vor allem seiner Frau, der Prinzessin Wilhelmine (1726 bis 1808) und den beiden Sphinxen. Die weiblichen Wächter-Figuren sowie das Leben und Wirken der Prinzessin blieben bis heute weitgehend unerforscht. Die Stadtschreiberin a.D. begibt sich in ihrer Lese-Performance detektivisch auf Spurensuche von unerforschten Rheinsberger Rätseln. Warum hat Prinz Heinrich 1762 die beiden Sphinxe im Lustgarten versetzt? Woher rührt das Desinteresse an der geistreichen und schönen Prinzessin Wilhelmine? Die teils auf Fakten basierende, teils magisch-fiktive Erzählung, in der auch Schlosskater Sheldon eine humorvolle Rolle spielt, mündet in einem spannungsreichen und lustvollen Plädoyer für das Ungezähmte. Die Lese-Performance - Premiere ist am 28. Juni an der Sphinxtreppe - ist in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten im Rahmen des Programms „h-300" zum Jubiläum von Prinz Heinrich geplant. Die Ausstellung zeigt aktuelle Fotografien des Lustgartens mit den Sphinxen im Fokus. Durch das künstlerische Auge eröffnen sich durch das Medium des Panoramas neue Blickwinkel. Es werden Scheinarchitekturen abgebildet, illusionistische Räume, die neue Perspektiven erfahrbar machen und damit auch eine andere Wahrnehmung der Gartenkunst des 18. Jahrhunderts eröffnen. Laut AnniKa von Trier ist der Schlossgarten untrennbar mit Prinz Heinrich verbunden, der ihn als Ort der Muße, des Denkens und der ästhetischen Ordnung gestaltet hat. Die Sphinxe - als Wahrheitsfinderinnen zwischen Erotik, Mythos und Aufklärung - sowie der Lustgarten als ästhetischer Naturraum stehen exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen Rationalität, Imagination und Sinnlichkeit, das auch Wilhelmines Zeit prägte.
Zum Programm gehören am Dienstag, 12. Mai, die Eröffnung der Fotoausstellung „Panoramafreiheit - Wenn Sphinxe lustwandeln" in der Remise. Am selben Tag ab 19 Uhr gibt es einen Fotovortrag: „Prinz Heinrich, Sheldon und die Sphinxe" - zur Entstehung des Rheinsberger Bogens" innerhalb der Vortragsreihe des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg, in der Remise. Am Sonnabend, 30. Mai, 19 Uhr, präsentiert Annika von Trier dann ihr Buch. Zur Lesung mit Knut Elstermann wird in den Spiegelsaal eingeladen. Einen knappen Monat später, am Sonntag, 28. Juni, 17 Uhr, startet dann die Premiere der Leser-Performance an der Sphinxtreppe im Lustgarten in einer Inszenierung von Petra Ratiu. Auch am Freitag, 28. August, wird um 17 Uhr zur Lese-Performance an die Sphinxtreppe eingeladen. Sollte es regnen, finden die Vorstellungen um 18 Uhr im Spiegelsaal statt. Am Sonnabend, 18. Juli, und am Freitag, 18. September, um 18 Uhr sind zwei weitere Veranstaltungen mit der Lese-Performance im Spiegelsaal geplant. Zu allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei - Spenden sind willkommen. Das Projekt von AnniKa von Trier in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und des Kunst- und Kulturvereins Rheinsberg wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, dem Kreis Ostprignitz-Ruppin, dem Kunst- und Kulturverein Rheinsberg, dem Brandenburgischen Literaturrat und der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin (Buchpublikation) sowie der Stadtgeschichte Rheinsberg gefördert.
Text mittig: Das Interesse der Künstlerin gilt vor allem Heirichs Frau und den Sphinxen
