Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 21.04.2026)
Verheerende Feuersbrunst über Rheinsberg
Kultur Hans-Norbert Gast vom Verein Stadtgeschichte versetzte mit seinem Vortrag seine Zuhörer ins Jahr 1740. Er schilderte höchst eindrücklich Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt. Von Jürgen Rammelt
Brände, sogar verheerende Feuersbrünste, hat es in Rheinsberg mehrfach gegeben. Über einen hat Hans-Norbert Gast vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg in der vergangenen Woche einen spannenden Vortrag gehalten. Mit mehr als 80 Zuhörern war der Saal im neuen Bürgerzentrum der Stadt gut gefüllt, was den Vorsitzenden des Vereins, Jörg Möller, zu der Frage veranlasste, ob das am Thema an dem außergewöhnlichen Ort liege.
Auf alle Fälle war es ein nicht alltägliches Thema. Doch bevor der Referent auf die Feuersbrunst von 1740 zu sprechen kam, ging er zuerst weit zurück in die Geschichte - zur Verwendung des Feuers durch den Menschen, seinem Nutzen, aber auch zu den Gefahren und zur Entwicklung der Menschheit im Allgemeinen. Große Stadtbrände, die die märkische Siedlung im Mittelalter größtenteils vernichteten, hatte es mehrfach gegeben. Bereits 1566,1635 und 1675 hatten in Rheinsberg Brände gewütet, entfacht durch Unachtsamkeit, von schwedischen Truppen und einem General namens Wrangel, wie in Chroniken nachzulesen ist. Und dann war es der 15. April 1740, als laut einem Zeitungsbericht um 16 Uhr Feuer bei einem Tabakspinner ausbrach, wodurch Rheinsberg in wenigen Stunden niederbrannte.
Lediglich das Kirchenschiff, der Chor des Gotteshauses, das Schloss und 19 Häuser in der Mühlenstraße blieben verschont. Laut Hans-Norbert Gast waren es vor allem die Bauweisen der Häuser, die Räucherkammern und offenen Feuerstellen, die Dacheindeckung mit Stroh und die noch nicht wie heute entwickelte Löschtechnik, die die rasche Ausbreitung des Feuers begünstigten. Friedrich II., Bruder von Prinz Heinrich, war gerade einige Wochen König und musste sich von Potsdam aus um den Wiederaufbau von Rheinsberg kümmern. Er beauftragte namhafte Architekten, Pläne für den Wiederaufbau der Stadt zu entwickeln, die jedoch nicht alle umgesetzt wurden. Es entstanden elf Karrees mit eingeschossigen Bürgerhäusern, Häusern für Handwerker und Gehöften der Bauern, die am Rande der Stadt angesiedelt waren, sowie zweigeschossige Häuser in der Zufahrtsstraße zum Schloss. Außerdem gab es Festlegungen, dass die neuen Häuser mit Ziegeln eingedeckt werden mussten und Scheunen nur noch außerhalb der Stadt errichtet werden durften. Unter anderem er-hielten die Rheinsberger die Möglichkeit, im Wald Holz zum Bauen zu gewinnen. 25 Jahre nach dem Stadtbrand lagen immer noch Schuttberge auf den Rheinsberger Plätzen, und auch die Kirche blieb ohne Turmspitze. Gemäß preußischer Verordnungen bekam Rheinsberg ein neues Straßenraster mit großzügigen Karrees und wurde flächenmäßig erweitert.
Breiter Raum im Vortrag war Prinz Heinrich und seinem Anteil am Wiederaufbau der Stadt gewidmet. Prinz Heinrich ließ die Plätze räumen, errichtete den Meilenstein auf dem Triangelplatz und sorgte im Stadtbild für weitere Gestaltungselemente. Zudem beauftragte er seinen Architekten Langhans, Entwürfe für den Kirchturm zu zeichnen. Letztendlich sorgte der Prinz mit seiner Hofhaltung dafür, dass das Schloss und der Park, aber auch das Handwerk sowie die 1762 gegründete Keramik-Industrie sich großzügig entwickelten und sich die. Einwohnerzahl von Rheinsberg vervielfachte. Die Zuhörer lauschten dem Vor-tragenden gebannt. Eindrucksvoll schilderte Hans-Norbert Gast, welchen Anteil vor allem Prinz Heinrich an der Entwicklung von Rheinsberg nach dem Brand hatte. „Man könnte denken, der Referent hat in dieser Zeit gelebt", sagte ein Teilnehmer. Eine visuelle Erinnerung gibt es auch: An einem Stromverteiler in der Tucholsky-Straße wird mittels Graffiti an den Brand erinnert.
[Foto mittig ] Hans Norbert Gast mit seinem Anteil am Wiederaufbau wurde breiter Raum gewidmet
„Prinz Heinrich und seinem Wiederaufbau wurde breiter Raum gewidmet“
[Foto links] Auf einem Trafohäuschen ist der Stadtbrand verewigt Fotos: Jürgen Rammelt
