Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 07.03.2026)
Altes Handwerk am Leben erhalten
Es gehört schon eine Menge Enthusiasmus und eine gehörige Portion Mut dazu, wenn man ein krankes Unternehmen vor dem Untergang retten möchte." Der das sagt, muss es wissen. Dietmar Syperek hat vor zwei Jahren die insolvente Rheinsberger Keramik Manufaktur (RKM) als Geschäftsführer übernommen.
„Es war keine leichte Entscheidung", blickt der 62-Jährige aus Baumgarten (Kreis Oberhavel), der eigentlich in der Baubranche Zuhause ist, zurück. „Ich habe unzählige Gespräche geführt. Freunde haben mir abgeraten, andere haben mit Mut zugesprochen", erzählt Syperek, der von Keramik und dessen Herstellung eigentlich keine Ahnung hat, im Gespräch. Am Ende hat er sich dennoch entschieden, den Betrieb zu übernehmen. Die Rheinsberger Keramikproduktion hat Tradition. Seit 1762 werden in der Stadt Fayencen und Töpferwaren hergestellt. Die über 250-jährige Geschichte beginnt, als in Rheinsberg Prinz Heinrich Hof hält. Mit dessen Unterstützung gründete Carl Friedrich Lüdicke ,, eine Fayencen-Manufaktur. In der heutigen Königstraße, wo sich das neue Rathaus befindet, wurden im 18. Jahrhundert edle Keramikerzeugnisse hergestellt.
In den Folgejahren entwickelte sich die Produktion zu einem wichtigen Wirtschaftszweig: Rheinsberger Keramikwaren, vornehmlich Tee- und Alltagsgeschirr wurde in alle Welt exportiert. Sogar Alexander von Humboldt kam nach Rheinsberg, um zur Herstellung der Töpferwaren zu forschen. Trotz verheerender Brände, bei denen erhebliche Teile der Fabriken zerstört wurden, war das Töpferhandwerk in Rheinsberg immer ein wichtiger Arbeitgeber. „Doch in jüngster Zeit hat sich viel verändert", so Dietmar Syperek. Nachdem aus der einstigen volkseigenen Steingutfabrik die Firmen Carstens und die Keramik-Manufaktur Naundorf hervorgegangen waren, schien der Markt aufgeteilt. Doch weit gefehlt: Wirtschaftliche Zwänge und vor allem die immer mehr auf den Markt drängenden Billigprodukte aus dem asiatischen Raum führten dazu, dass die einheimische Produktion an Bedeutung verlor und verdrängt wurde. Obwohl die Regale in den Aus-stellungs- und Verkaufsräumen der RKM gut gefüllt sind, sorgen die aufgerufenen Preise bei den Besuchern schon für Verwunderung. „Es ist alles teurer geworden, die Rohware, das Gas, die Energie, die Löhne. Wir mussten die Preise anpassen, um keine Verluste zu machen", begründet Dietmar Syperek die jetzigen Verkaufspreise. Aber es gibt auch günstige Angebote. Es wird nichts weggeworfen. Töpferwaren mit kleinen Fehlern gehen mit reduzierten Preisen in den Verkauf.
Insgesamt zeigt sich der Geschäftsführer optimistisch. Neben der Keramikproduktion gibt es mit dem Keramik-Hotel ein zweites Standbein. „Beide Unternehmen ergänzen sich. Wir bieten unseren Hotelgästen Führungen durch unsere Manufaktur an, und nicht selten kaufen sie ein Erinnerungsstück aus unserer Produktionspalette", berichtet der Unternehmer. Neben dem Verkauf direkt vor Ort gibt es auch einen Online-Shop. Die Palette ist mit mehr als 5000 Produkten sehr umfangreich. Neben den alten Mustern sind auch ständig neue Dekore im Angebot. Besonders beliebt sind Blumenmuster. Von Gänseblümchen, Flieder, Klatschmohn, Streublumen sowie Vergissmeinnicht in unterschiedlichen Varianten, glänzend oder seidenmatt, mit farbigen Rändern, Nadelstreifen oder Bauernranken - alles ist möglich.
Großen Wert wird in der RKM daraufgelegt, dass für alle früheren Dekore Ersatzanfertigungen möglich sind. „Obwohl unsere Keramik zweimal gebrannt wird und dadurch sehr bruchfest ist, kommt es hin und wieder vor; dass etwas kaputt geht. Dann können wir helfen", sagt Syperek. Auch Kindergruppen, die Gefäße bemalen können, sind willkommen, genauso wie die RKM der Rheinsberger Keramik-Initiative, die Kurse anbietet, Ton zur Verfügung stellt.
Die Manufaktur unterstützt zudem die einheimischen Vereine, soweit das finanziell leistbar ist. Zu nennen sind da zum Beispiel der Rheinsberger Carnevalsclub (RCC), dessen Faschingsorden seit Jahren aus Rheinsberger Keramik als ein Alleinstellungsmerkmal gelten, oder die Trinkbecher und Siegerpokale, die die RKM bei Bedarf für die einheimischen Regatten der Segler, Marinesportler und Ruderer herstellt. Auch für Sonderanfertigungen zu Jubiläen und anderen Anlässen ist die RKM ein gefragter Partner. Jüngstes Beispiel ist der 300. Geburtstag des Prinzen Heinrich von Preußen, der dieses Jahr in Rheinsberg groß gefeiert wird. Aus diesem Anlass hat die RKM in Kooperation mit dem Verein Stadtgeschichte Rheinsberg eine Plakette mit dem Konterfei des Bruders von Friedrich dem Großen angefertigt, das als Sammlerstück verkauft wird. Auch eine Büste des Hohenzollern-Prinzen soll noch in diesem Jahr dazu kommen.
[Text und Bilder mittig]
[Foto oben:] Diese Töpferwaren müssen noch bearbeitet und gebrannt werden. Fotos: Jürgen Rammelt
Altes Handwerk am Leben erhalten
Kultur Seit mehr als 250 Jahren wird in der Prinzenstadt kunstvolle Keramik hergestellt. Dietmar Syperek will die Rheinsberger Keramik Manufaktur zu neuer Blüte führen. Das Hotel ist ein zweites Standbein. Von Jürgen Rammelt.
[Foto rechts] Zum 300. Geburtstag wurde Prinz Heinrich von Preußen verewigt.
[Foto links mittig] Die Regale in den Verkaufsräumen sind gut gefüllt.
Es ist alles teurer geworden: die Rohware. das Gas, die Energie, die Löhne.
