Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 06.03.2026)
Die Geschichte von Carmol
Erinnerung Der Rheinsberger Verein Stadtgeschichte möchte mittels der Firmenhistorie einen Kalender gestalten.
Rheinsberg. Eine spannende Geschichte rankt sich um die einstige Carmol-Fabrik in Rheinsberg. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von Rudolf Poscich gegründet, war das Unternehmen viele Jahre ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt. Unter dem Slogan „Carmol tut wohl!" warb die Firma für ein entwickeltes Produkt, das als Allheilmittel gegen allerlei Schmerzen und Wehwehchen Hilfe versprach.
Die Anfänge der Firma liegen in einem Schuppen in der Schlossstraße. Die Erfindung von Carmol durch Rudolf Poscich und der Verkaufserfolg führen zu einer stetigen Vergrößerung der Fabrik. Carmol soll gegen Bauch-, Kopf- und Zahnschmerzen, aber auch als Einreibung bei Krämpfen und Verspannungen helfen. Der Siegeszug des Arzneimittels auf der Grundlage zahlreicher Kräuter war nicht aufzuhalten. Doch wie meist im Leben, hat jede Geschichte auch ein Ende.• Nach zahlreichen Erweiterungen, der Herstellung von Bonbons und anderen Mittelchen, dem Umzug von der Schlossstraße in die Berliner Straße, nach Produktionsumstellungen, dem Tod von Hans Poscich und der Mitnahme des Patentes durch Mitarbeiter in den Westen wird das Unternehmen verstaatlicht. Es beginnt die Ära des volkseigenen Carmol-Werkes und des späteren VEB Berlin-Chemie.
Heute ist kaum noch etwas von dem ehemaligen Werk, das ein Jahrhundert lang zahlreichen Männern und Frauen aus Rheinsberg und der Umgebung als Broterwerbgeber diente, zu sehen. Nach der Einstellung und der Verlagerung der Produktion nach Berlin folgte der Abriss des Firmengebäudes, das auch mal ein Hotel war. Derzeit „wartet" die freie Fläche gegenüber dem Bahnhof auf eine Nachnutzung durch einen Investor. Nach wie vor sind so Rheinsberg und die Historie dieses Unternehmens eng miteinander verbunden und seit Jahren Forschungsthema für den Verein Stadtgeschichte. Neben der Sammlung von Exponaten zur Firmengeschichte kümmert sich der Verein auch um die Grabanlage der Familie Poscich auf dem kirchlichen Friedhof. Als neuestes Projekt plant der Verein, die Geschichte des Unternehmens in seinem Monatskalender für das kommende Jahr darzustellen und hat mit der Recherche dazu begonnen. Obwohl die Hobbyhistoriker bereits in ihrer Sammlung zahlreiche Objekte und Dokumente besitzen, sind sie auf der Suche nach Fotos, Dokumenten und vor allem nach Zeitzeugen zur Firmengeschichte.
Fotos und Infos gesucht Wer kann dem Verein helfen? Es gibt Fotos, auf denen die Mitglieder gerne die Namen der darauf abgebildeten Mitarbeiter wissen würden. Wer kann erzählen, was auf den Bildern gerade gezeigt wird? Wer hat noch etwas, das an den Betrieb erinnert? Wer kennt Geschichten, die die Arbeit und das Leben in dem Traditionsunternehmen betrafen? Die Mitglieder des Vereins treffen sich jeden Dienstag ab 19 Uhr im Haus der Stadtgeschichte. Wer zum Gelingen des Projektes bei-tragen möchte, der ist jederzeit willkommen oder kann unter 38223 anrufen. jr
[Karte:] Froher Sinn und froher Mut….[?] TUT DEN NERVEN WOHL! Mit Postkarten, hier aus der Sammlung Möller, warb die Firma Carmol zu Beginn des vorigen Jahrhunderts für ihre Produkte.
