STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Die Lüdicke-Sargtafel

Carl Friedrich Lüdicke kauft 1770 die wenige Jahre zuvor gegründete Rheinsberger Fayence-Manufaktur. Neu im Geschäft ist der Berliner nicht, in seiner Heimatstadt stellt er bereits Fayencen her. Allerdings verlagert er die Produktion zunehmend in die Prinzenstadt und verhilft der hier ursprünglich schleppenden Produktion zur Blüte: Alexander von Humboldt schlägt nach einer Besichtigung etliche Änderungen vor. Der Keramikfabrikant folgt dem Rat des Wissenschaftlers, indem er neue Maschinen kauft und Spezialisten engagiert. - Die einstige Fayence-Manufaktur entwickelt sich zur Steingut-Fabrik.

Lüdicke gilt zwar nicht als Gründer der Rheinsberger Keramikherstellung, aber dank seiner Modernisierungsmaßnahmen ist er höchst erfolgreich: Das Unternehmen trotzt der napoleonischen Kontinentalsperre und erobert sich einen Spitzenplatz in Europa; die fragilen Waren verkaufen sich bis an den russischen Zarenhof. Dass die Stadt am Rhin seit den 1870er Jahren eine florierende Keramiktradition pflegt, ist wesentlich dem Wirken des Berliners zu verdanken.

Die Sargtafel und ihre Replik

Gemeinsam mit Gattin Maria Dorothea und den Kindern lässt sich der Unternehmer in der märkischen Kleinstadt nieder, wo er 1779 auf dem Kirchhof seine letzte Ruhestätte findet. Sein Grab ziert eine aus Zinnguss gefertigte Sargtafel. Als die Gruft 1928 schließlich eingeebnet wird, erwirbt das Märkische Museum in Berlin den Sargschmuck.

Noch immer befindet sich die Tafel dort - und lange sieht es nicht so aus, als hätten die Stadtgeschichtler eine Chance, sie nachbilden zu lassen. Zu groß ist die Gefahr, dass ein Abguss das Original beschädigt. 2012 schließlich stellt die Firma Trigonart eine Lösung vor, die alle Beteiligten begeistert: Die Berliner fertigen vor Ort einen 3D-Scan der Tafel, anhand dessen sich die Form eins zu eins nachbilden lässt. Mit demselben Verfahren hatten sie bereits die aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. stammende Nofretete-Büste nachgebildet, einen Touristenmagneten des Ägyptischen Museums in der Hauptstadt.

Der räumliche Scan dient gewissermaßen als "Gussform" des Sargtafel-Zwillings, der aus mit Aluminiumsplittern versetztem Kunststoff gefräst wird. Für das Material entscheiden sich Trigonart und Stadtgeschichtler bewusst. Einerseits ist es weniger kostspielig als Zinn, andererseits sieht es dem angelaufenen Metall zum Verwechseln ähnlich. Zwei Jahre nach Beginn der Suche und 2500 vom Ortsbeirat beigesteuerte Euro später ist es endlich soweit: Im Vorfrühling 2014 trifft der nachgebildete Sargschmuck in Rheinsberg ein.

Die Sargtafel auf dem Gedenkort

Wie die Schönheit den Rheinsbergern und ihren Gästen würdig gezeigt werden kann, ist rasch geklärt: Die Replik wird das Prunkstück einer Lüdicke gewidmeten Informationstafel am Gedenkort sein.

Forschungsergebnisse für den Text besitzt der Verein bereits, das Layout entwirft "Vereins-Chefdesignerin" Sandra Bothe. Anschließend erhält die Firma Barufke den Auftrag, sowohl die Tafel als auch das Gestell anzufertigen. An einem frostfreien Nachmittag treffen sich die Mitglieder auf dem kirchlichen Friedhof, um die Tafel aufzustellen. Am 22. März 2014 enthüllen sie die Kostbarkeit feierlich für die Öffentlichkeit.

Die Lüdicke-Informationstafel mit der darauf montierten Sargtafel-Nachbildung steht neben dem älteren Paradestück des Gedenkorts: Die Grabtafel des Hofrats Krumteich, der einst Prinz Heinrich als Leibarzt diente, hatten die Stadtgeschichtler bereits 2012 aufgestellt.

Der jederzeit zugängliche Gedenkort befindet sich auf dem kirchlichen Friedhof, unmittelbar neben dem Eingang Schlossstraße.

Das Original der Sargtafel

3D-Scanner

Streiflicht-Scan

Tiefziehen der Schrift

3D-Modell

Fräsen
 
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