STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

„Zwei Theile Thon, zwei Theile Kreide, ein Theil Feuerstein“

Frauke Herweg
(aus: Märkische Allgemeine; 12.09.2019)

Alexander von Humboldt reiste auch nach
Rheinsberg – 1792 untersuchte er die Steinproduktion

Rheinsberg. Sein Besuch in Rheinsberg dauerte kurz: Im Juni 1792 kommt Alexander von Humboldt für nur einen Tag nach Rheinsberg, um dort die Steingutproduktion zu untersuchen. Humboldt hat gerade sein Studium an der Bergakademie Freiberg abgeschlossen. Einer seiner ersten Aufträge führt den erst 22-jährigen Wissenschaftler nach Rheinsberg. 16 Seiten Bericht entstehen an-schließend. Mit welchen Fragen war Humboldt nach Rheinsberg gekommen? Wie lautete sein Forschungsauftrag? Das beantwortete der Vorsitzende des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg Jörg Möller anlässlich Humboldts 250. Geburtstages in einem Vortrag am Dienstag in der Remise.
Im Auftrag der Bergakademie Freiberg soll Humboldt herausfinden, wo es möglicherweise Mängel in der Produktion gibt. „Die englische Steingutproduktion war von der Qualität her deutlich besser als die deutsche" , sagte Möller. Große Schmugglerringe bringen das englische Steingut damals nach Deutschland. Von den Erkenntnissen des jungen Bergassessors erhoffen sich die Auftraggeber technische Empfehlungen für die Manufaktur in der Mark. Humboldts Bericht aus Rheinsberg wird später als sehr kenntnisreich gelobt. Akribisch hatte er notiert, wie die Rheinsberger Ofen arbeiten und in welchen Verhältnissen die Materialien für die späteren Teller und Krüge angemischt werden. „ Zwei Theile Thon, zwei Theile Kreide, ein Theil Feuerstein" , so soll er aufgeschrieben haben. Die Steingutproduktion ist damals im Umbruch. Produzenten ziehen von der Stadt aufs Land, weil sie hoffen, dort preiswertere Materialien zu bekommen. Humboldt soll auch diese wirtschaftlichen Aspekte berücksichtigen. Er befindet den Torf, der damals von Fehrbellin und Linum nach Rheinsberg geliefert wird, als zu teuer. Noch am selben Tag reist er nach Köpernitz, um sich im prinzlichen Torfstich nach preiswerterem Material umzuschauen. Die Qualität des Köpernitzer Torfes muss Humboldt wohl nicht zugesagt haben, sagte der Vorsitzende des Fördervereins Kulturgutshaus Köpernitz Bernd Donner. Eine eindeutige Empfehlung zur künftigen Auswahl des Torfs gab er nicht: „Humboldt lässt den Brennmeister entscheiden, woher der Torf kommen soll" , sagte Donner. Dort, wo heute Rheinsbergs künftiges Bürgerzentrum entstehen soll, stand einst die erste Steingutfabrik der Stadt. Bei ihren Recherchen sind die Forscher des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg auf einen Stadtplan gestoßen, den ein ehemaliger Mitarbeiter des Märkischen Museums angefertigt hat. Deutlich zu erkennen ist, wie Rheinsberg nach dem großen Stadtbrand 1740, bei dem die mittelalterliche Stadt wegbrannte, im Carre wieder auf-gebaut wurde - an einer Ecke der heutigen Seestraße ist die erste Steingutfabrik markiert.

Info Der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg eröffnet am Sonnabend, 14. September, die Ausstellung „Alexander von Humboldt in
Rheinsberg -der Bergassessor begutachtet die Fayencemanufaktur". Die Vernissage beginnt um 11.15 Uhr im Haus der Stadtgeschichte, Seestraße 22.

 
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