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Dem Sumpfporst auf der Spur – wie einst Humboldt

Cornelia Felsch
(aus: Märkische Allgemeine; 10.09.2019)

14 Wanderer bahnten sich am Tag des offenen Denkmals den Weg zum Porst-Luch bei Köpernitz

Rheinsberg. Eine kleine Vase hat Bernd Donner auf den Tisch gestellt, die Zweige, die darin stecken, sehen ein wenig aus wie Rosmarin. Es ist allerdings der Sumpfporst, der im nahe gelegenen Porst-Luch bei Kö-

So können wir wenigstens sagen, dass wir an Alexander von Humboldt gedacht haben, wenn sich sein 250. Geburtstag jährt.

Bernd Donner Vorsitzender des Fördervereins Kulturgutshaus Köpernitz

pernitz wächst. Er bevorzugt nasse und kalkfreie Torfböden und kommt vor allem in Hochmooren vor. Mit der Trockenlegung vieler Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung wurde ihm allerdings vielerorts der Lebensraum entzogen und die Pflanze ist selten geworden. In der Köpernitzer Heide wächst der Porst auf einer Fläche, die sogar Alexander von Humboldt schon kannte. Er kam 1792 nach Rheinsberg und besuchte auch Köpernitz. In seinem anschließenden Bericht erwähnte er auch den Prinzlichen Torfstich in der Köpernitzer Heide. Für Bernd Donner und seinen Förderverein Kulturgutshaus Köpernitz Grund genug, dieser Tatsache genauer auf den Grund zu gehen. Sie stellten eine Ausstellung zusammen und sichteten topografische Karten. Schließlich entdeckten sie in den Köpernitzer Karten, die nach 1825 gedruckt wurden, eindeutige Symbole, die beweisen, wo sich die betreffende Fläche genau befindet. Am Sonntag luden sie zum Tag des offenen Denkmals nach Köpernitz ein, um auf den Spuren von Humboldt zum Porst-Luch zu wandern. 14 Gäste machten sich auf den Weg, vorbei an der Köpernitzer Mühle ging es in Richtung Döllnitz. Die Luchfläche liegt mitten im Wald und ist durch die abgestorbenen Birkenstämme gut zu erkennen. Dass Humboldt sich für dieses Gebiet interessierte, lag daran, dass er im Rahmen einer Inspektionsreise die Bedingungen für die Keramikherstellung in Rheinsberg untersuchen wollte und nach kostengünstigen, nicht zu weit entfernten Torfabbaugebieten suchte. „Der Torf, der damals bei Fehrbellin abgebaut wurde, eignete sich nur für die Stubenfeuerung und die Linumer Torfstichstellen lagen zu weit entfernt" , sagt Bernd Donner, der sich für den Denkmalstag mit Torfblöcken und Werkzeug aus dem Protzener Dorf-, Torf- und Schulmuseum ausgerüstet hatte. Alexander von Humboldt nahm das Torfvorkommen bei Köpernitz damals selbst in Augenschein. Das Ergebnis war vermutlich wenig befriedigend, denn eine ausdrückliche Empfehlung Humboldts für diesen Torf gab es damals nicht. Als Alexander von Humboldt nach Köpernitz kam, lebten etwa 100 Menschen in dem Ort. Sie dienten im. Gutshof, in der Schmiede, der Wassermühle und in der Ziegelei. „Auch für uns blieb die Überlegung, was wir nun mit diesen Erkenntnissen anfangen", bekannte Donner am Sonntag. „Doch wenn wir uns nicht damit befasst hätten, wären wir dumm geblieben" , scherzt er. „So können wir wenigstens sagen, dass wir an Alexander von Humboldt gedacht haben, wenn sich am kommenden Sonnabend sein 250. Geburtstag jährt." Die kleine Ausstellung, die zurzeit im Köpernitzer Gutshaus zu sehen ist, zeigt topografische Karten von 1763 bis 1997, Fotografien vom Torfabbau in Worpswede sowie Ölgemälde des Rheinsberger Malers K. Barsch.

Info Heute Abend ab 19 Uhr lädt der Rheinsberger Verein für Stadtgeschichte zu einem Vortrag in die Remise am Schloss ein. Thema ist der Aufenthalt Alexander von Humboldts in Rheinsberg - welche Aufgaben nahm der Wissenschaftler damals dort wahr?

 
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