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Geschichte aus Nachfahren-Sicht

Christian Schönberg
(aus: Ruppiner Anzeiger; 14.12.2017)

Text über das Gartengelände in Protzen ist Teil des neun Jahrbuchs Otprignitz-Ruppin

An historischem Ort ist am Mittwochabend das Jahrbuch 2018 des Landkreises Ostprignitz-Ruppin vorgestellt worden. Das Gutshaus Protzen hat schließlich auch Theodor Fontanne für seine Recherchen zu den „Wanderungen drch die Mark Brandenburg“ besucht.

Der angrenzende, derzeit zugwucherte Park steht im Mittelpunkt eines der 27 Beiträge, die im jahrbuch gesammelt sind. Geschrieben hat den Text Rudolf Legde, ein Nachfahre der einstigen Gutsbesitzer. In seiner Rede betonte Legde, wie bewegend es sei, dort zu stehen, wo einst das Wohnzimmer seiner Eltern war, und nahm die Zuhörer mit in die interessante Geschichte das Gutes. Vor allem sein Großvater Paul, der so lange wie kein anderer – fünf Jahrzehnte – das Gut führte, prägte das Leben in Protzen wesentlich mit. Er ist immer noch präsent: Das sehr große Kreuz, „das den Friedhof überragt“, wie Legde sagte, trägt den Namen seines Großvaters. Fontanne hätte sein Wirken wohl gemocht, schätzt Rudolf Legde. Zu Zeiten der Niederschrift der „Wanderungen“ ging der große Autor aber wenig zimperlich mit Paul Legdes Vater um, der 1856 das Gut erworben hat. „…von geringem Interesse“ sei das, was jetzt auf dem Gut passiere, schrieb Fontane, der ansonsten die Gutszeit bis zu einem gewissen Drieberg 1852 lobte. Geschichte hat das Gutshaus Protzen auch deswegen geschrieben, weil 1767 ein Hohenzollern-Prinz , Heinrich Karl von Preußen, dort im blühenden Alter von 19 Jahren das Zeitliche segnete. Das Zimmer, in dem er starb, sei später das Schlafzimmer der älteren Brüder von Rudolf Legde gewesen. Er selbst war im Januar 1845 geboren worden. Die Legdes flohen bald danach, wie so viele andre Gutsbesitzer-Familien, in die spätere Bundesrepublik. Rudolf Legde sagte ganz offen: „Heute wäre es für mich eine Horror-Vorstellung, in diesem Gutshaus wohnen zu müssen. “ Seine Brüder hätten noch Landwirtschaft gelernt und hätten wohl noch das Gut betrieben. Aber was ist Landwirtschaft heute noch?, fragte sich Legde: „Die Uckermark wird verwüstet durch Überdüngung, Monokulturen und Landspekulationen“, schilderte er seinen heutigen Blick auf die Landwirtschaft. Auch weil er als Gutsbesitzer-Sohn in der DDR wohl „schlechte Karten gehabt“ hätte, sei er im Nachhinein froh, dass er in Westdeutschland aufwachsen konnte. Nichtsdestotrotz ist ihm Protzen weiterhin sehr nahe. So schrieb Legde nicht nur den Beitrag fürs Jahrbuch, sondern unterstützt auch die geplante Wiederherstellung des Protzener Gutsparks. So steuerte der 72-Jährige Zeichnungen bei, die sein älterer, in diesem Jahr verstorbener Bruder einst gemacht hatte. Sie können nun einfließen in die historisch möglichst nahe Neugestaltung, für die Gemeinde Fehrbellin eine Fördermittel-Zusage erhalten hat (RA berichtete). Begonnen wurde mit der Restaurierung aber noch nicht. Die Landschaftsarchitektin Ewa de Veer stellte aber vor, wie das Areal aussehen soll. Der Teich, die Allee, ein strukturiertes Wegenetz – all das soll es bald wieder dort geben, wo alles wild zugewuchert ist. „Wir werden aber nicht alle Wege wiederherstellen können – aus Kostengründen“, sagt de Veer. Die historischen Strukturen aber sollen Vorbild sein, um den Park wieder erlebbar zu machen. Derzeit müssen allerdings noch Sturmschäden beseitigt werden. An die 50 Bäume liegen noch im Park herum. Rote Kreuze markieren das auf de Veers Luftbild. Es wird ein großer Aufwand sein, sie wegzuräumen. Vielleicht, so de Veer, könnte man es mit einem Arbeitseinsatz von Freiwilligen im Januar schaffen, die dann das Holz behalten können. Die Wiederherstellung des Parks ist auch ein Zeichen für das anstehende Fontane-Jubiläum 2019. Der Schriftsteller hatte in seinen berühmten „Wanderungen“ dem Park einen Abschnitt gewidmet. Protzen würde sich also mit einem wiederhergestellten Gartengelände in die Feierlichkeiten zu Fontane.200 einfügen. Legde setzt jedenfalls in seinem Betrachtungen, die im Jahrbuch zu finden sind, darauf, dass Gut und Park Protzen mit der Neugestaltung „zu mehr Interesse und Beachtung“ kommen.

Das Jahrbuch 2018 Ostprignitz-Ruppin enthält neben dem Beitrag zum Gut Protzen unter anderem auch Texte zur Geschichte Kunstersprings und Steinberges, zur Köpernitzer Gräfin Caroline Amalie Marie La Roche Aymon, zum Karwer Adligen Karl Friedrich von dem Knesebeck , zur Neuruppiner Kapelle St. Georg und zum Verein Rheinsberger Stadtgeschichte. Es erinnert zudem noch einmal an die 2016 Verstorbenen Ehrhardt Bödeker, Gründer des Wustrauer Brandenburg-Preußen Museums, sowie an die Neuruppiner Künstlerin Marianne Kühn-Berger. Das Buch ist ab sofort erhältlich.

 
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