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Presseberichte

Ein geschichtsträchtiger Patient

Brian Kehnscherper
(aus: Ruppiner Anzeiger; 30.11.2017)

Fußboden des Gartensalons im Rheinsberger Schlosspark steht vor der Sanierung

Der Salon im Rheinsberger Schlosspark hat schon weitaus bessere Zeiten gesehen. Das Bauwerk ist stark reparaturbedürftig. Die letzte Sanierung fand Mitte der 1980er-Jahre statt. Nun soll zumindest der Fußboden erneuert werden. Die verschiedenen Schichten des Belags geben Einblicke in die wechselhafte Geschichte des Bauwerks.

Der Zustand des historischen Bauwerks ist für Dr. Detlef Fuchs nicht zufriedenstellend. Der Kustos für Architektur und Denkmalpflege in der Rheinsberger Schlossanlage zählt diverse Mängel auf. „Die Dachkonstruktion hat Abbrüche, das gesamte Dach müsste gemacht werden. Dringend nötig ist auch ein Austausch des Putzes. Da er zementlastig ist, zieht sich das Wasser hoch. Im Prinzip müsse der Putz komplett entfernt und durch Kalkputz ersetzt werden“ so Fuchs. Nur sind die Mittel für all diese Arbeiten nicht vorhanden. Dank mehrerer Spenden ist nun zumindest genug Geld da, um den Fußboden zu erneuern. Ein langjähriger Rheinsberg-Besucher aus Westdeutschland, der namentlich nicht genannt werden wollte, hatte wiederholt in desen Büro aufgesucht und gesagt, dass er Geld spenden möchte, weil ihn der Zustand das Fußbodens störte. Schließlich gab er 20 000 Euro. Ein Neuruppiner, der ebenfalls im Hintergrund bleiben will, schoss weitere 10 000 Euro dazu Darüberhinaus kamen 15 000 Euro von der Annemarie-Hilgemann-Stiftung. Zusammen mit den Eigenmitteln der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten stehen Fuchs somit 70 000 Euro zur Verfügung, um den Fußboden wieder herzustellen. Anhand der verschiedenen Schichten lässt sich die Baugeschichte des Salons sehr gut nachvollziehen. „Es ist ein sehr bedeutendes Gebäude“, so Fuchs. Denn lange Zeit war es deutlich größer. Bei dem heute sichtbaren Objekt handelt es sich lediglich um den Mittelbau. Ursprünglich hatte Preußens berühmter Stararchitekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für den Kronprinzen Friedrich eine Orangerie mit elf Flügeln entworfen. Da das Gebäude von der langen Haupt-Wegachse zum Schloss aus gut sichtbar sein sollte, war es jedoch nach Osten ausgerichtet, was für die Aufzucht von Orangen schlecht war. So stoppten die Arbeiten 1740 und das Gebäude wurde nie vollendet. Als Prinz Heinrich die Schlossanlage übernahm, veranlasste er von 1753 bis 1765 den Rückbau auf drei Achsen. In zwei Seitenkabinetten ließ er Bäder einrichten. „Wie diese Bäder aussahen, wissen wir leider nicht“, bedauert Fuchs. Nach Heinrichs Tod war das Objekt dem Verfall überlassen. Es war so marode , dass so gar ein kompletter Abriss erwogen worden war. Zwischen 180 und 1822 wurden die Flügel abgerissen. Übrig blieb nur der zentrale Bau. „Diese ganze Baugeschichte steckt noch im Fußboden“ so der Kustos. Der Belag besteht aus zwei Materialien: wertvoller Kalkstein von der schwedischen Insel Öland – seit der Hanse-Zeit auch als Ostseemarmor bekannt - und Marmor. Der Öland-Kalk-stein gehört zum ursprünglichen Boden der Orangerie. Fuchs vermutet, dass der Salon mit dem Umbau im 19. Jahrhundert geöffnet und auch von Kutschen durchfahren worden ist. Da der Kalkstein dadurch Schaden nahm, wurde er stellenweise gegen Marmor ausgetauscht. Fuchs geht davon aus, dass das Material dafür aus Rheinsberg stammt. Auch in Heinrichs Grabpyramide findet sich das Gestein. Eine weitere Materialschlacht scheint weniger edel: 1897 wurden schadhafte Stellen nochmals ausgebessert, diesmal mit Beton. „Damals war Beton aber noch ein besonderes Material“, so Fuchs. Mit dem Landesamt für Denkmalschutz sei vereinbart worden, das im Zuge der Sanierung die verschiedenen bauhistorischen Spuren erhalten bleiben. „Wir hätten auch einheitlich Öland-Kalk verlegen können“,so Fuchs. Dadurch wird der Boden des Salons auch in Zukunft nicht einheitlich aussehen, dafür aber die Baugeschichte für Besucher des Schlossparks weiterhin nachvollziehbar zeigen. Die meistens schadhaften Steine werden ausgebessert. Nur wenig Material soll ersetzt werden. Lediglich die Betonplomben, mit der kaputte Stellen zu DDR-Zeiten notdürftig aufgefüllt wurden, sollen gegen Marmor ausgetauscht werden. Die Ausschreibung für die Sanierung läuft bereits. Laut Fuchs steht die Vergabe kurz bevor. Erste Arbeiten könnten eventuell in diesem Jahr beginnen. Unabhängig davon wird bereits das Deckenbild im Salon konserviert. Wann jedoch eine Gesamtsanierung realisiert wird, lässt sich nicht absehen. Noch gebe es nicht einmal eine Kostenabschätzung. „Wir werden kleinere Schäden immer wieder begleitend beheben“, so Fuchs. Größere Investitionen sind vorerst nur in anderen Objekten wie dem Kavalierhaus und der Gärtnerei vorgesehen. Die Feuchtigkeit im Mauerwerk des Salons werde ohnehin ein dauerhaftes Problem sein. Denn durch die Öffnung des Gebäudes wurde es seinerzeit der Witterung ausgesetzt. „Wir müssen hinkriegen, dass die Feuchtigkeit an der Oberfläche bleibt, bekommen aber keine Sperre rein“, so Fuchs. „Der Salon wird immer ein Patient sein“ – aber ein geschichtsträchtiger.

 
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