STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Sambalita war der absolute Renner

Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 16.02.2017)

Sambalita war der absolute Renner Viele Zuhörer beim Vortrag über einstiges Rheinsberger FDGB-Hotel Rheinsberg (jr) Die Vortragsreihe des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Nachdem bereits im Januar bei einem Referat über die ehemalige Bahnstrecke von Rheinsberg nach Flecken Zechlin rund 80 Zuhörer sich im Ratskeller eingefunden hatten, konnte Vereinschef Jörg Möller am Dienstag erneut mehr als 70 Gäste begrüßen. Ausgehend vom diesjährigen Kalender zu „Verlorenen Orten in Rheinsberg“ stand diesmal das 2003 abgerissene Ferienhotel „Ernst Thälmann“ und der Feriendienst der Gewerkschaft auf dem Programm. Dazu hatte sich der Verein mit Heinz Karwath und Dietrich Däbel zwei ehemalige Mitarbeiter eingeladen, die eine Menge über ihre frühere Arbeit erzählen konnten. Heinz Karwath war seit 1969 Kulturmanager des FDGB-Feriendienstes in der Rheinsberger Region, dem Einrichtungen in Neuglobsow, Flecken Zechlin, Großzerlang und Rheinsberg angehören. Dietrich Däbel, ein gelernter Gastronom, kam 1977 nach Rheinsberg und fungierte als Leiter der Berufsausbildung, bevor er 1984 Chef der Nachtbar wurde. „Sambalita, ein fruchtiger Likör, war damals der absolute Renner“, erzählt Däbel. Das Ferienheim war 1983 im Beisein von FDGB-Chef Harry Tisch und Irma Thälmann, der Tochter des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, eröffnet worden. Neben dem zehnstöckigen Hauptgebäude mit Gasträumen, zwei Bars, einer Kegelbahn und einer Sauna gab es vier Nebenhäuser für die Mitarbeiter. Laut Karwath war das Hotel das 100.Ferienobjekt des FDGB und dessen drittgrößte Erholungseinrichtung in der DDR mit 120 Mitarbeitern. Während sich im Sommer und während der Schulferien dort Familien und geehrte Beschäftigte erholen konnten, durften in der übrigen Zeit auch Verfolgte des Naziregimes (VDN) oder deren Nachkommen dort Ferien genießen. Aber auch für prophylaktische Kuren wurde das Haus mit seinen rund 1 000 Betten genutzt. „Es waren etwa 13 000 Urlauber im Jahr“, erinnert sich Karwath. Mit der Wende gab es Bemühungen, das Hotel am Leben zu erhalten. Doch diese scheiterten vor allem an Rückübertragungsansprüchen und dem Willen der Treuhand. Karwath selbst stand dem Team vor, das den Feriendienst abwickeln musste. Am Ende wurde auch er entlassen. Beim Vortag am Dienstag befanden sich auch ehemalige Mitarbeiter des Hotels und Feriendienstes unter den Zuhörern. Sie mussten miterleben, wie das Hotel nach der Schließung Vandalismus zum Opfer fällt. Die Zerstörungen betrafen selbst Kunstobjekte, wie eine steinerne Familie am Eingang und mehrere Skulpturen. „Ich konnte nicht mehr hingehen und sehen, wie alles zerstört wird“, berichtet Karwath. Das Gelände mit der Hotelruine wird schließlich vom neuen Eigentümer an einen Investor verkauft. 2003 wird der Zehngeschosser gesprengt. Das einstige Hotel „Ernst Thälmann“ und der FDGB-Feriendienst sind Geschichte. An der Stelle befindet sich heute das Maritim Hotel am Rheinsberger See.

 
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