STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Sagenumwobene Remusinsel

(aus: Ruppiner Anzeiger; 17.08.2016)

Sagenumwobene Remusinsel Vom möglichen Sitz des Slawenheiligtums Rethra bis zur Grabstätte des Bruders von Romulus - das Eiland bietet Stoff für viele Geschichten Rheinsberg (zig) Um die im Rheinsberger See gelegene Remusinsel ranken sich sehr viele Sagen. Ein Blick in die Archive des Vereins Stadtgeschichte zeigt, dass an vielen Geschichten wenig dran ist. Spannend sind sie aber allemal. In der Renaissance-Zeit hielt sich zeitweilig der Glauben, dass Remus, der Bruder von Romulus, der die Stadt Rom gründete und deren erster König war, auf der Insel begraben sein soll. Remus sei vor seinem Bruder, der ihn erschlagen wollte, über die Alpen geflüchtet. Danach habe er sich jenseits der Elbe auf einer Insel niedergelassen und dort seine Burg errichtet. Später, so die Sage, sei Remus dort auch begraben worden. Als Beweis für die abenteuerliche Geschichte wurden zwei angeblich auf der Insel ausgegrabene Marmorsteine aufgeführt. Auf einem der beiden habe der Name Remus gestanden, der andere habe sechs Habichte gezeigt. In seinem Buch zur Beschreibung des Lustschlosses und des Gartens des Prinzen Heinrichs' kam Carl Hennert (1739 bis 1800) aber zu dem Schluss, dass es sich bei der Geschichte um „eine Höflichkeit und Schmeichelei des Verfassers gegen den damaligen Besitzer von Rheinsberg“ gehandelt habe. Zumal die Steine danach nie gefunden wurden und die Sage der Renaissance-Zeit entstammt, in der es als schick galt, Verbindungen zur griechisch-römischen Antike zu suchen. Hennert schreibt hingegen davon, dass die Insel öfter bei feindlichen Einfällen den Einwohnern als Rettungsort gedient habe. Auch beim Einfall der Schweden 1675 habe der damalige Prediger Cabusius sie als Zuflucht für den größten Teil der Einwohner genutzt. Die Insel wird bis ins Jahr 1771 hinein als ein „wildbewachsener Ort“ beschrieben. Danach wurde sie von Christian Ludwig von Kaphengst gepachtet, Generaladjutant beim Prinzen Heinrich, von dem auch Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ schreibt. Er ließ das Chinesische Haus und andere Anlagen auf dem Eiland errichten. Von Kap-hengst wurde Ende der 1770er- Jahren nach Meseberg ins dortige Schloss „abgeschoben“. Die ausgebaute Insel blieb derweil weiter Ausflugsziel der Rheinsberger Hofgesellschaft. Nachdem Heinrich 1802 verstarb, geriet die Insel mehr und mehr in Vergessenheit. Sie wurde wieder zum wüsten Ort - so, wie sie vor 1771 war. Die ersten Herren der Insel aber waren vermutlich die Slawen. Funde aus der Ur- und Frühzeit lassen darauf schließen, dass das Eiland im 13. Jahrhundert Standort einer burgähnlichen Anlage war. Beweise dafür, dass es sich dabei um das sagenumwobene slawische Heiligtum Rethra handelte, auf das Fontane ebenfalls eingeht, wurden aber nicht gefunden. Rethra war das religiöse und politische Zentrum der Liutizen -ein loser Bund vierer nordwestslawischer Stämme. Nach deren Untergang geriet der Ort in Vergessenheit. So kannte schon Ernst von Kirchberg laut seiner mecklenburgische Reimchronik von 1379 den Standort nicht mehr genau. Wer selbst in der Rheinsberger Geschichte stöbern möchte, findet die Datenbank unter stadtgeschichte.rheinsberg.de.

 
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