STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Erinnerungen an 50 Jahre Arbeit

jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 11.05.2016)

Erinnerungen an 50 Jahre Arbeit Von JÜRGEN RAMMELT Rheinsberg (RA) Der Start in die Woche war reich an »Emotionen: Gemeinsam mit der Stadt Rheinsberg und den Energie Werken Nord (EWN) hatte der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg am Montag zu einer Festveranstaltung eingeladen, um an die Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes (KKW) vor 50 Jahren zu erinnern. Für einige der Gäste war es eine Reise in die eigene Vergangenheit. Neben aktuellen und einstigen Mitarbeitern aus Rheinsberg und der unmittelbaren Umgebung waren auch zahlreiche ehemalige Kernkraftwerker, die nicht mehr in Rheinsberg leben, der Einladung gefolgt. Einige der Anwesenden gingen nach ihrer beruflichen Zeit in der Prinzenstadt nach Lubmin, um im dortigen Kernkraftwerk zu arbeiten oder sie bauten sich nach der Stilllegung des KKWs in den alten Bundesländern eine neue berufliche Existenz auf. Bereits am frühen Nachmittag war es möglich, das stillgelegte Rheinsberger Werk - oder besser gesagt, was davon noch übrig ist - zu besichtigen. Wie zur aktiven Zeit, nur viel moderner, ging es mit dem Zug zum Bahnhof Stechlinsee. Schon vor dem Einsteigen und im Triebwagen gab es herzliche Wiedersehensszenen. Wenig später erzählten einige einem Fernsehteam des RBB, wie es früher war und wie stolz sie sind, beim Aufbau und Betrieb des Kraftwerkes mit dabei gewesen zu sein. Damals hatte beim Weg zum KKW fast jeder Arbeiter im Zug seinen Stammplatz. Während einige Frauen das Strickzeug aus der Tasche holten, spielten auf der etwa 20-minütigen Fahrt etliche Kernkraftwerker Skat oder Doppelkopf. Dazu reichte allerdings am Montag die Zeit nicht, zumal die meisten Fahrgäste sich viel zu erzählen hatten. Am Gelände des KKW angekommen, begann unter sachkundiger Führung und ausgerüstet mit einem Besucherausweis in vier Gruppen der Rundgang durchs Werk. Besichtigt wurden die Blockwarte, das Maschinenhaus, die Kransteuerkabine, das Betriebsgelände, wo ein Lager für Reststoffe abgerissen wird, und das technische Kabinett, in dem ein Modell des Werkes ausgestellt ist. Viele staunten, dass trotz des Rückbaus noch viele Systeme funktionieren und es noch mindestens zehn bis 15 Jahre dauern wird, bis der größte Teil des Werkes unter Beachtung der atomrechtlichen Vorschriften abgebaut ist. Über diese Herausforderung berichtete in der Festveranstaltung auch Michael Schönherr. Der Leiter der Rheinsberger Anlage bezeichnete das Kernkraftwerk als eine „Meisterleistung der Ingenieursarbeit“, die in Rheinsberg die Energieerzeugung, die Forschung und die Ausbildung von Fachleuten beinhaltete. Begonnen hatte die von der SPD-Landtagsabgeordneten Ulrike Liedtke moderierte Festveranstaltung mit dem Auftritt eines Blechbläser-Quintetts der Kreismusikschule Ostprignitz-Ruppin, bevor Rheinsbergs Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU) und der Geschäftsführer der Energiewerke Nord, Grußworte sprachen. Rau, 1966 geboren, berichtete, dass er einige Monate älter ist als das KKW. „Aber an eine Stilllegung denke ich noch nicht“, verriet er, und erntete spontanen Beifall. Der Bürgermeister berichtete vom Unterricht in der Produktion und seinem Einsatz in der Wasserchemie des Kernkraftwerkes. Auch Jürgen Ramthun ging nochmals auf den Aufbau des KKWs ein. „Das Kernkraftwerk Rheinsberg war ein Prestigeobjekt und das erste Werk dieser Art auf deutschem Boden“, so der EWN-Geschäftsführer. Es galt zu zeigen, dass die DDR gegenüber dem Klassenfeind mithalten kann. Erfrischend war anschließend der Redebeitrag von Jörg Möller. Der Vorsitzende des Stadtgeschichtsvereins, der im KKW als Projektleiter für den Rückbau zur Führungsmannschaft gehört, sprach über die Veränderungen in der Stadt, die der Aufbau des Kernkraftwerkes mit sich gebracht hat. Dazu gehörten eine neue Wohnsiedlung, die Schaffung einer Kanalisation in der Innenstadt, die Erweiterung der Schule und der Bau eines Kindergartens. Aber auch eine Kaufhalle, der Klub der Gewerkschaft, die beide längst wieder abgerissen sind, und die 1983 errichtete Allende-Schule sind entstanden, weil die Bevölkerungszahl von ehemals 4 000 auf mehr als 5000 Einwohner angestiegen war. Mit Spannung wurde auch die Rede von Albrecht Gerber (SPD), dem Minister für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg, verfolgt. Er dankte den Mitarbeitern des Kernkraftwerkes, die mit dem Rückbau in Deutschland Pionierarbeit leisten. Inzwischen seien die Rheinsberger gefragte Fachleute bei der Demontage der anderen Werke. Auf die Zukunft der Energieerzeugung und den Ausstieg aus der Kernenergie Bezug nehmend, forderte der Minister ein klares Bekenntnis der Bundesregierung und verlässliche Regelungen. Und er machte deutlich, dass die Verstromung der Braunkohle auch weiterhin notwendig ist. .

 
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