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Presseberichte

Chronist der postalischen Grußbotschaften

Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 24.12.2016)

Chronist der postalischen Grußbotschaften Sammler Jörg Möller gab im Gutshaus Köpernitz einen Exkurs in die Geschichte der Ansichtskarten Von JÜRGEN RAMMBLT

Köpernitz. Wenn im Gutshaus Köpernitz die Veranstaltungsreihe „Ländliche Gerichte und Geschichten“ auf dem Programm steht, braucht sich Bernd Donner nicht um Besucher sorgen. So war es auch bei der 46. Auflage am Sonnabend, zu der der Vorsitzende des Gutshausvereins über 70 Gäste im herbstlich geschmückten Gutshaus begrüßen konnte.Unter dem Thema „Auf einen Blick...“ ging es diesmal um Ansichtskarten aus der Region. Dazu hatte sich der Gutshauschef mit Jörg Möller, dem Vorsitzenden des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg, einen kompetenten Gesprächspartner und Sammler eingeladen. Wie Möller berichtete, sammelt erseit frühester Jugend die unterschiedlichsten Dinge. Mit dem Sammeln von Ansichtskarten habe er mit wenigen Exemplaren angefangen.Und als er die ersten 50 zusammen hatte, wuchs der Ehrgeiz, weil er der Meinung war, die Hälfte der existierenden Karten zu besitzen. Doch weit gefehlt. „Selbst als die Sammlung die 500er-Marke überschritten hatte, musste ich feststellen, dass es immer noch ausreichend Ansichtskarten gab, die ich nicht habe“, erzählte der geschichts interessierte Rheinsberger. So war es dann auch, als die Sammlung aus 1000 Ansichtskarten bestand. Längst hatte Möller die Karten eingescannt, im Computer erfasst und nach den Erscheinungsjahrzehnten sowie nach Verlagen geordnet. Aufbewahrt werden die Karten in Alben, die inzwischen ein ganzes Bücherregal füllen. Wie der Hobby-Historiker dem Publikum verriet, umfasst seine Sammlung mittlerweile mehr als 2000 Ansichtskarten allein von Rheinsberg. Doch dabei blieb es nicht. Inzwischen gehören auch Karten mit Motiven aus den Ortsteilen zum schwarz-weißen und bunten Sammelsurium. Erstaunt waren die Zuhörer, als Möller erzählte, dass er alle seine Ansichtskarten kennt und binnen kürzester Zeit sagen kann, ob er eine Karte besitzt oder diese noch nicht Bestandteil seiner Sammlung ist. Doch der Rheinsberger hatte noch mehr zu berichten. So würden Kartensammler auch als Philokartisten bezeichnet. Außerdem hätte es, was die Beschriftung der offen lesbaren Karten betrifft, früher strenge Regeln gegeben. Die ersten Karten durften nur auf der bebilderten Seite beschrieben werden, während die andere Seite der Anschrift vorbehalten war. Die ersten Ansichtskarten wurden 1861 in Amerika eingeführt. Etwa fünf Jahre später gab es die ersten Exemplare in Europa. Wie Möller erzählt, erlebte die Ansichts- karte Ende des 18. Jahrhunderts einen rasanten Aufschwung. Die Motive waren unterschiedlicher Art. Es gibt Topografie-, Motiv-, Werbe-, Kunst- und Glückwunschkarten. Die einfarbige Karte wurde später durch das mehrfarbige Lithografie-Verfahren ergänzt. Allein in Rheinsberg habe es früher 20 Verlage gegeben, die Ansichtskarten herstellten. Einen weiteren Aufschwung nahm die Ansichtskartenproduktion mit der Entwicklung der Foto- grafie. Möller zeigte zu allen Epochen Beispiele aus seiner Sammlung. Vor allem das Carmolwerk, mit dem Slogan„Carmol tut wohl“ gab einst Werbepostkarten heraus. Zum Rheinsberger Schloss gab es ganze Serien von Ansichtskarten mit den unterschiedlichsten Motiven. Aber auch diverse Straßen von Rheinsberg, Hotels, die Schule und der Wartturm sind auf den Ansichtskarten abgebildet. Später gab es auch Luftbildaufnahmen auf Ansichtskarten, die jedoch wegen ihrer strategischen Bedeutung vor dem Zweiten Weltkrieg schnell wieder verschwanden. Interessant sind aber auch die Poststempel, die Auskunft über die Herkunft der Karte und die Zeit geben,in der sie abgeschickt wurden. Auch darüber konnte Möller eine Menge erzählen. Am Ende erntete der Sammler für seinen Vortrag viel Lob sowie spontanen Beifall. Doch das war nur der erste Teil des unterhaltsamen Abends. Wie immer durften sich die Gäste auf ein kulinarisches Erlebnis in Form eines Drei-Gänge-Menüs freuen, das diesmal aus einen Mecklenburger Rippenbraten nebst Vorspeise und einem Dessert bestand. Außerdem hatte Bernd Donner diesmal ein „Regional Topografisches Postkarten-Rätsel“ vorbereitet. Auf einem Zettel waren sechs Ansichtskarten und eine Skizze mit zwölf regionalen Orten abgebildet. Es galt, zu raten, zu welchen Orten die Karten gehören. Vier Gästen gelang es, alle Karten richtig zuzuordnen, darunter einige Mitglieder des Rheinsberger Geschichtsvereins. Aber auch eine heiter-satirische Geschichte über Kartengrüße aus dem traditionsbewussten Bayern hatte Bernd Donner zu erzählen, die für Lacher unter den Gästen sorgte.

 
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