STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Ein Schatz, den es zu erhalten gilt

Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 11.02.2016)

Zum Vortrag über Rheinsberger Bauakten kamen mehr als 30 Zuhörer

Sandra Bothe führte am Dienstagabend in die Vergangenheit der Stadt Rheinsberg. Das Mitglied des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg sprach unter dem Motto „Acta specialia – betreffend Bau-Sachen“ über alte Bauakten, die den Rathausbrand vom Mai 1945 überstanden haben.

Wie die Diplom-Restauratorin berichtete, wurde das Rheinsberger Rathaus in den letzten Kriegstagen durch ein Feuer zerstört. „Dabei sind vermutlich einige tausend Akten ein Opfer der Flammen geworden“, so Bothe. Umso erstaunlicher ist es, dass 474 Bauakten von Gebäuden und Straßen erhalten blieben, deren Seiten mit Hilfe eines Projektes des Geschichtsvereins und der Arbeitsfördergesellschaft Rabs gescannt und jetzt nach und nach in die Datenbank des Verein eingestellt werden.

„Die Akten sind teilweise gut erhalten und auch lesbar, wenn man die alten Schriften noch kennt“, erklärt Bothe. Letzteres sei allerdings ein Problem, weil es heute kaum noch Leute gibt, die Texte in Sütterlin oder anderen altdeutschen Schriftarten lesen können. Spannend sei der Inhalt der Akten dennoch, zumal diese allein 448 Einzelgebäude betreffen, 22 Akten zum Straßenbau existieren und weitere Dokumente geben Auskunft über Brunnen, Abwasserleitungen und Scheunen.

„Die meisten Akten betreffen die Jahre von 1898 bis 1945“, berichtet Bothe. „Die Bauakten geben Auskunft über die Stadtgestaltung, über Bauherren und die Verfahrenswege, wenn jemand ein Gebäude errichten wollte.“

Die Expertin erklärte, dass Bauen auch damals schon ein komplizierter Verwaltungsakt gewesen sei: „Der Bauherr musste ein Baugesuch an die Polizeiverwaltung bzw. den Bürgermeister der Stadt schicken.“ Dem waren statistische Berechnungen, Grundrisse und Ansichten beizufügen, die dann von der Bauaufsichtsbehörde geprüft wurden. „Stellte die Behörde fest, dass Korrekturen erforderlich waren, kam es zu gefürchteten Rot-Einträgen“, so Bothe. „Es gab aber auch Grün-Einträge, die eine Genehmigung mit kleinen Veränderungen bedeuteten.“

Erstaunen unter den Anwesenden löste die Information aus, dass es meist nach zehn Tagen eine Bauerlaubnis gab, die ein Jahr gültig war. „Heute dauert es ein Jahr und die Erlaubnis gilt zehn Tage“, scherzte einer der Zuhörer. Bothe erklärte aber auch, dass damals bereits eine Rohbau- und Gebrauchsabnahme notwendig waren. Der Bauherr musste Strafe bezahlen, wenn er sich nicht an die Formalitäten hielt.

Sandra Bothe berichtet, dass die dickste Bauakte die der heutigen Heinrich-Rau-Schule ist. Sie umfasst 2000 Seiten. Dann geht sie auf die Seestraße 9 ein. Das Gebäude, in dem das neue Bürgerzentrum entsteht, wurde 1924 errichtet. Anhand der Grundrisse und Fensterfronten von 1938 und 2010 erklärt die Fachfrau, was die alten Dokumente über Veränderungen verraten. Historische Akten und Schätze, die geborgen und erhalten werden müssen: Das wurde den 30 Besuchern des Vortrages schnell klar. Dieser Aufgabe stellt sich der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg.

 
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