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Lange Nacht der Künste: Diskussionen und Applaus – 525 Besucher kamen zur diesjährigen Auflage der Langen Nacht der Künste

Georg-Stefan Russew
(aus: Ruppiner Anzeiger; 08.11.2010)

RHEINSBERG
Erneut ließen sich wieder viele hundert Besucher auf das Abenteuer Rheinsberg bei Nacht mit verschiedenen Kunstprojekten ein. Mit knapp 30 einzelnen Veranstaltungen wurde ihnen ihr Ausflug versüßt.

Der Auftakt in die 14. Auflage der Rheinsberger Langen Nacht der Künste fiel diesesmal ein wenig temperamentvoller aus. In der Schlossküche hatten die Macher zu einem Vortrag über den neu gestalteten Schlossvorplatz geladen. Stolz präsentierte Schloss-Grünanlagen-Chef Mathias Hopp die einzelnen Umbaumaßnahmen.

Seit Mai wird der Platz unter gartendenkmalpflegerischen Aspekten in den Urzustand von vor über 300 Jahren zurückversetzt. „Das alles hier soll in eine platzartige Fläche mit rahmenden Baumpflanzungen umgewandelt werden“, so Hopp.

Etwa eine halbe Million Euro hat sich die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten diese Baumaßnahmen kosten lassen. Hopp berichtete davon, dass es im Vorfeld unter den Machern schon Diskussionen gab, ob eine wassergebundene Decke aus Sand die richtige Form sei oder ob Grünflächen und ein Pflasterweg auch zum neuen, alten Platz dazugehören. „Letztlich haben wir eine Sandfläche als beste Alternative angesehen“, berichtete Hopp. Zwar seien bei den Bauarbeiten alte Wegstrukturen von Archäologen wieder entdeckt worden. Man habe sich jedoch dafür entschieden, alles zu vermessen und in einer 3D-Darstellung zu dokumentieren. Anschließend wurden die Strukturen geschützt und mit einer etwa 30 Zentimeter dicken wassergebundenen Sanddecke überzogen.

Rund 40 Besucher waren zu Hopps Vortrag gekommen und hörten mit gespitzten Ohren zu. In der anschließenden Fragerunde ging es dann hoch her. Warum sehe der Platz jetzt so langweilig aus? War das wirklich so nötig? Grünanlagen gehörten doch vors Schloss! Mathias Hopp wurde mit unzähligen Fragen konfrontiert. Als er antwortete, dass das so mit ein, zwei Abstrichen von Friedrich 1732 gewollt war, wollten [das] viele Besucher so nicht akzeptieren. „Friedrich hat sein Schloss zum See hin ausgerichtet. Dieser Vorplatz, der früher nur noch mit einem Pflasterweg für Kutschen bestückt war, konnte jetzt wegen der Rollstuhlgerechtheit so nicht mehr umgesetzt werden – sollte einen Abstand zur Stadt herstellen“, so Hopp. Die heute wiederhergestellte Weite soll dies heute wieder so zeigen. Außerdem wurden in der Rehbucht die Garagen weggerissen. Jetzt habe man ein altes Stück Stadtmauer zum Anfassen zurückgewonnen. „Von hier aus hat man einen ganz anderen Blick auf das Schloss – malerische Weite und Größe.“ Auch dieses Argument wollten einige dann nicht gelten lassen. Bei der Führung stimmten dann Hopp viele dann doch zu. „Einmalig“, kommentierte ein Besucher.

Anders ging es dann bei den anderen 29 Veranstaltungen zu. Hier herrschten Harmonie, Ausgelassenheit und Begeisterung. Die Eröffnung bestritt im Schlosstheater das Blasorchester der Kreismusikschule. Die Nachwuchsmusiker um Harald Bölk bewiesen, dass Blasmusik nicht nur Humtata sein muss, sondern auch Klänge bedeuten kann, die unter die Haut gehen. Die Medleys aus dem „König der Löwen“ machten dies deutlich. Viel Applaus der knapp hundert Gäste im Schlosstheater war der Lohn. Später griff auch das Streichorchester der Musikschule ins Konzertgeschehen ein. Hier war die Sankt Laurentiuskirche gerammelt voll. Auch im Gotteshaus gab es jede Menge Beifall.

Interessant war ebenfalls die Vorstellung des neuen Rheinsberger Kalenders für 2011 in der Tucholsky-Buchhandlung. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurden viele Bilder und Infos zum Rheinsberger Handwerk kalendarisch in Szene gesetzt. Ganz nebenbei verriet Jörg Möller vom Stadtgeschichtsverein, dass man in der Staatsbibliothek 18 000 Seiten der bis 1942 herausgegebenen Rheinsberger Zeitung gefunden habe. Diese seien aber nicht mehr in taufrischem Zustand. „Wir haben einen Fördermittelantrag gestellt. Das Potsdamer Kulturministerium hat schon Wohlwollen signalisiert. Jetzt muss nur noch aus Berlin das Okay kommen“, so Möller. Ziel ist es, die 18 000 Seiten als Online-Bibliothek anschließend veröffentlichen zu können.

Im Schlosshotel lieferte der ehemalige Stadtschreiber zwei Gala-Vorstellungen ab. Zu seiner ersten Lesung war der Saal so voll, dass kaum noch Stühle fürs Publikum frei waren. Keiner wollte sich Auszüge aus Drostes neuestem Werk „Auf sie mit Idyll“, das teilweise in Rheinsberg entstand, entgehen lassen. Das Buch liegt noch nicht in Druckform vor, zog aber auf der Lesung schon jetzt die Zuhörer in seinen Bann. Wortakrobatisch und mit spitzer Feder zieht Droste über die devote, sprich: unterwürfige, Freundlichkeit von Kellnern her. Zum 70. Geburtstag von Schlagerbarde Karel Gott schrieb Droste in Rheinsberg: „Zu seinem Konzert kommen die, die es nach Lourdes nicht mehr geschafft haben“, oder „Einmal um die ganze Welt – mit der frittierten Stimme geht das wie geschmiert“, so Droste. Schallendes Gelächter!

Später am Abend gab es noch eine Zugabe. Droste lud zum Tresenlesen. Süffisant, scharf und einfach köstlich präsentierte er sich. „Großartig“, riefen Besucher.

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525 Besucher der Langen Nacht der Künste genossen bei einem Spaziergang das hell erleuchtete Schloss.

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Das Streichorchester der Kreismusikschule verzauberte die Besucher in der Kirche.

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30 Veranstaltungen standen auf dem Programm.

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Es gab vor dem neu gestalteten Schlossvorplatz heftige Diskussionen mit Grünanlagenchef Mathias Hopp (rechts).

[links] Wiglaf Droste brillierte im Schlosshotel.
[rechts] Jeder freie Stuhl war bei der Droste-Lesung umkämpft.

Kronprinz Friedrich strahlte und diente quasi als Lichtfigur Programmlesern in der Dunkelheit als Leuchte.

[links] Jan-Pieter Rau präsentiert den neuen Kalender für 2011.
[rechts] Toni Torrilhon zeigt ein wenig Magie mit echtem Holz.

Auch für die kleinsten Besucher der Rheinsberger Langen Nacht der Künste wurde sehr viel geboten.
Fotos (12): Russew

 
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