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Künstlern die kalte Schulter gezeigt – Die Stadt unterstützt das große Keramikfest nicht

Holger Rudolph
(aus: Ruppiner Anzeiger; 09.07.2010)

RHEINSBERG
Der Rheinsberger Keramiker Hendrik Schink warf die Tür am Mittwochabend hinter sich zu. Es krachte. Zuvor hatten ihm die Stadtverordneten eine deutliche Abfuhr erteilt.

Schink wollte der Stadt Rheinsberg im Jahr 2012 zu einem großen Fest verhelfen, das sich damit beschäftigt, dass dort vor 250 Jahren die erste Keramik entstand.

Seit Monaten arbeitet Schink gemeinsam mit anderen Protagonisten an einem Konzept. Was genau er will, hat er stets nur nichtöffentlich gesagt. Exakt so wollte es Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU). Und Schink entsprach dem Wunsch.

27 900 Euro hätte die Kommune zu dem Ereignis zuschießen sollen. Über diesen Betrag stimmten die Stadtverordneten – diesmal öffentlich – ab. Wilfried Schmidt stellte für die Zählgemeinschaft fest: „Wir werden das ablehnen. Wir haben an so vielen Stellen Nachholebedarf, dass wir uns das einfach nicht leisten können.“ Letztlich gab es zwölf Nein-Stimmen bei dreimal Ja und drei Enthaltungen.

Stadtverordnetenvorsteher Erich Kuhne (CDU) richtete eine Empfehlung an Schink: „Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, das Fest mit anderen finanziellen Mitteln auf die Beine zu stellen.“ Dann fragte Schink: „Darf ich darauf eine ernsthafte Antwort geben oder war das rhetorisch gemeint?“ Nachdem Kuhne bedeutet hatte, dass Schink kein Rederecht habe und daher auch keine Antwort möglich sei, schritt der Künstler rasch zur Tür des Saales, die er dann von außen ziemlich laut ins Schloss fallen ließ. Schink war gestern telefonisch nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Verpennt hat die Stadt Rheinsberg bereits ihr 675-jähriges Bestehen im laufenden Jahr. Nur der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg hat einen recht informativen Kalender herausgebracht. Ansonsten wurde zum Jahresanfang festgestellt, dass man kein Geld zum Feiern habe. Vereine, die ebenfalls Jubiläen begehen, könnten an jenes der Kommune erinnern, hieß es damals in der Ratssitzung.

Auch wenn Schink bislang nicht öffentlich gesagt hat, womit er die Stadt zu beglücken gedenkt, steht zumindest fest, dass er sich um Fördermittel bemüht hat. Allem Anschein nach ist den Stadtverordneten das Risiko dennoch zu groß, auf Kosten sitzen zu bleiben, die am Ende sogar über die 27 900 Euro hinausgehen.

Sachkenner schätzten gestern ein, dass der sich demnächst gründende Tourismusbeirat sich mit dem Fest zu beschäftigen habe. Es wäre falsch, ein solches Ereignis nicht in würdiger Form zu begehen.

Ein Rheinsberger erinnerte daran, dass es der Prinzenstadt sogar zu DDR-Zeiten gelang, im westlichen Ausland auf sich aufmerksam zu machen. Kannen und Gedecke aus dem örtlichen Keramikbetrieb seien schon damals in Großbritannien und in Skandinavien echte Renner gewesen.

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Hendrik Schink wollte Rheinsberg helfen. Doch die Stadtverordneten setzen andere Prioritäten.
Archiv-Foto: Rudolph

 
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