STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Auf eigene Faust

Jürgen Rammelt, Carsten Schäfer
(aus: Märkische Allgemeine; 06.02.2013)

Die wichtigsten historischen Häuser in Rheinsberg sollen auch ohne Stadtführer zu finden sein. Der Verein Stadtgeschichte will dort Hinweistafeln anbringen.

Von Jürgen Rammelt und Carsten Schäfer

RHEINSBERG
Wer ab dem Sommer als Tourist nach Rheinsberg kommt, soll mehr als bisher über die Stadt und ihre wichtigsten historischen Gebäude erfahren – und das auch ohne eine Stadtführung. Der Verein Stadtgeschichte bereitet derzeit mit einigen Partnern einen sogenannten „stummen Stadtrundgang“ vor. Geplant ist, dass an 20 bis 30 historischen und denkmalgeschützten Gebäuden im Stadtzentrum Tafeln angebracht werden. Auf ihnen können interessierte Besucher dann etwas zur Geschichte des jeweiligen Gebäudes nachlesen. Damit können Touristen auch allein das historische Zentrum der Stadt erkunden.

Neben dem Text soll es auf den Schildern eine historische Ansicht und einen Ausschnitt aus dem Stadtplan geben. So erfährt der Betrachter, wie das Gebäude früher aussah und wo es sich befindet. Er wird auf interessante Treppenhäuser, auf so genannte schwarze Küchen, die unterschiedlichen Nutzungen in der Vergangenheit und andere Besonderheiten hingewiesen. Neben dem deutschen Begleittext ist auch eine englische Übersetzung vorgesehen, sodass sich selbst ausländische Gäste informieren können.

Wie Jörg Möller, der Vorsitzende des Vereins Stadtgeschichte, in dieser Woche erklärte, sind die wichtigsten geschichtsträchtigen Objekte bereits ausgewählt. „Da es zahlreiche Häuser gibt, die nach dem Stadtbrand von 1740 entstanden, war die Auswahl nicht einfach.“ Auch die ersten vier Tafeln sind bis auf den englischen Text fertiggestellt.

Die Idee für das Projekt ist schon älter. Bereits vor einigen Jahren hatte der Verein zwei Schilder an der Alten Schule an der Ecke Kirch-/Seestraße angebracht, die auf die Geschichte des ehemaligen Schulhauses hinweisen. Über die Gestaltung der Schilder gab es zwischen den Beteiligten allerdings unterschiedliche Auffassungen. Daraufhin habe man das Projekt eine Weile auf Eis gelegt, erzählt Jörg Möller. Erst im vergangenen Jahr nahmen es die Initiatoren wieder in Angriff – und diesmal konnten sie sich einigen. Jörg Möller geht nun davon aus, dass der Rundgang zügig umgesetzt wird. Die ersten Gebäude, an denen die Schilder angebracht werden, stehen bereits fest. Als Beispiele nannte der Vereinsvorsitzende die Lange Straße 40, die Kirchstraße 1, die Königstraße 5, sowie einige Häuser in der Schlossstraße, etwa das Gasthaus „Zum jungen Fritz“ und das Gebäude in dem der Künstler Tony Torrilhon sein Atelier hat.

Außerdem soll es einen Flyer geben, auf dem grundsätzlich über den „Stummen Stadtrundgang“ informiert wird. Dieser liegt dann zum Beispiel in der Touristinformation für jedermann bereit. Später sollen auch denkmalgeschützte und wichtige Gebäude außerhalb des eigentlichen Zentrums, wie der Bahnhof und die Seebadeanstalt, in den Rundgang einbezogen werden.

Und noch etwas ist den Machern wichtig: Parallel zum „Stummen Stadtrundgang“ entsteht der Keramikpfad (die MAZ berichtete), eine Konkurrenz soll es aber nicht geben. „Der Keramikpfad und unser Pfad überschneiden sich nicht“, sagte Möller. Während der Keramikpfad aus vier Strecken besteht, die vom Kirchplatz aus zu den historischen und aktuellen Standorten der Rheinsberger Keramikproduktion führen, werden beim Stadtrundgang punktuell geschichtsträchtige Gebäude beschrieben. Dort, wo beide zusammentreffen, werde es eine Kooperation geben. Etwa am neuen Rathaus in der Seestraße 12, einer alten Keramikmanufaktur. Dort soll der Keramikpfad direkt zur Tafel des Stadtrundgangs führen.



INTERVIEW
„Es ist eine kleine Auszeichnung“
[Bildtitel Portrait] Jörg Möller ist Vorsitzender des Rheinsberger Vereins Stadtgeschichte. Mit ihm sprach Carsten Schäfer.

MAZ:
Was ist der Hintergrund des stummen Stadtrundgangs?
Jörg Möller:
Er ist für Leute gedacht, die nach Rheinsberg kommen und keinen Stadtrundgang bekommen, weil gerade keiner angeboten wird oder die sich keinem anschließen wollen. Sie werden mit den Schildern und dem Flyer zu den Häusern geführt. Auf den Schildern haben wir einen QR-Code angebracht, den sie mit dem Handy scannen können und der auf unsere Homepage führt. Dort gibt es zusätzliche Informationen. Der Flyer wird in der Touristinformtion ausliegen.

Wie viele Häuser bekommen ein Schild?
Möller: Wir haben eine Abstimmung über die Prioritäten gemacht und 15, 20 Häuser ausgemacht, die beschriftet werden sollen. Wenn die ersten zehn Schilder fertig sind, werden wir sie anschrauben.

Sind die Eigentümer einverstanden?
Möller: Wir haben mit den ersten vier Eigentümern gesprochen, und sind auf keinen Widerstand gestoßen. Es ist eine kleine Auszeichnung, wenn das eigene Haus so ein Schild bekommt.



[Bildtitel oben]
Das Haus Kirchstraße 1 war früher eine Schule. Das und mehr zur Geschichte und Bauweise des Hauses erfährt der Besucher, wenn er die kleinen Begleittafeln (kleines Bild) liest.
Fotos (3): Jürgen Rammelt

[Bildtitel Mitte links]
Das Haus Lange Straße 40 gehört zum stummen Stadtrundgang.

 
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