STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Fast wie das Original / Verein Stadtgeschichte erinnert an den Keramikfabrikanten Lüdicke

Jürgen Rammelt
(aus: Märkische Allgemeine; 22.03.2014)

RHEINSBERG
Der vom Verein Stadtgeschichte auf dem evangelischen Friedhof gestaltete Gedenkort nimmt Form an. Gestern wurde die Replik einer Grabtafel enthüllt, die einst den Sarg des Keramikfabrikanten Carl Friedrich Lüdicke zierte. Eine Tafel informiert bereits seit einem Jahr über die Geschichte der Bestattungsstätte und zu wichtigen Gräbern. Dazu gehört die Grabtafel von I.F.B. Krumteich, dem Leibarzt des Prinzen Heinrich. Neben dem Eingang zur Schlossstraße wird an verdienstvolle Bürger erinnert: an den Arzt Martin Henning, den Fabrikbesitzer Rudolf Poscich, an den Schlossgärtner Hellmut Ambrosius, an Otto Gau und Tierarzt Hans Gigas.

Der Vorsitzende des Vereins Stadtgeschichte, Jörg Möller, sagte gestern, dass die Lüdicke'sche Grabtafel eine Nachbildung sei. Das Original befindet sich im Besitz der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Karl-Friedrich Lüdicke kam 1770 nach Rheinsberg, als er die Steingutfabrik kaufte.

Die Fabrik nahm in der Folgezeit eine beachtenswerte Entwicklung. Karl-Friedrich Lüdicke modernisierte die Produktion und stellte in seinem Betrieb neben Fayencen vor allem Keramik her. Damit trotzte die Fabrik zu Napoleons Zeiten der Kontinentalsperre. Laut Jörg Möller wurde das Werk in Rheinsberg zu einem der führenden Keramikhersteller auf dem europäischen Kontinent.

Als 1779 Karl-Friedrich Lüdicke starb, wurde die Firma von seiner Witwe Maria Dorothea und seinem Sohn Karl Valentin weitergeführt.

Die sterblichen Überreste von Karl-Friedrich Lüdicke lagen in einer Gruft auf dem Rheinsberger Friedhof. Die Gruft wurde im Jahr 1928 eingeebnet. Die umfangreich beschriebene Sargtafel aus Zinn wurde laut Möller damals vom Märkischen Museum gekauft.

"Wir hatten die Sargtafel seit vielen Jahren auf dem Plan", berichtete gestern Jörg Möller. Doch die Anfertigung einer Kopie war schwierig. Die Berliner Stiftung hatte befürchtet, dass die Platte beim Anfertigen einer Form Schaden nehmen könnte.

In die Öffentlichkeit gerückt wurde die Grabtafel, als der Verein seinen Jahreskalender zum 250-jährigen Bestehen der Keramikproduktion in Rheinsberg vorbereitete. Darin ist die Grabtafel abgebildet. Jeder Rheinsberger konnte sehen, was für ein historischer Schatz in dem Berliner Museum lagert. Inzwischen war aber auch der Stand der Technik vorangeschritten. Es gab die Chance, mittels eines 3D-Verfahrens aus einem Werkstoff eine Nachbildung herzustellen.

Mit dem Rheinsberger Ortsbeirat, einem privaten Spender und einer regionalen Firma fand der Geschichtsverein Verbündete, um das 2500 Euro teure Projekt finanzieren und realisieren zu können. Die grafische Gestaltung der Tafel übernahm mit Sandra Bothe ein Mitglied des Vereins. Vor einer Woche wurde der Aufsteller einbetoniert. Da es sich bei der jetzigen Grabtafel um Kunststoff handelt, hoffen die Vereinsmitglieder, dass das gute Stück lange erhalten bleibt.

Jörg Möller sagte, dass es möglich sei, eine Nachbildung aus Zinn anfertigen zu lassen, ohne dass das Original benötigt wird. "Es gibt jetzt die 3D-Abbildung und einen Menschen, der das Zinngießen noch kann", erzählte Möller. Sollte der Verein das dafür notwendige Geld aufbringen, dann hätte er die Möglichkeit, die Grabtafel auch bei anderen Gelegenheiten, zum Beispiel auf Ausstellungen, zu zeigen.

[Zitat]
"Wir hatten die Sargtafel seit vielen Jahren auf dem Plan."
Jörg Möller, Vorsitzender des Vereins Stadtgeschichte

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Vereinsvorsitzender Jörg Möller (l.) präsentiert die Grabplatte.
Foto: Jürgen Rammelt

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So sieht die Replik der Lüdicke-Grabplatte aus.

 
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