STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Technik wie beim Raumschiff Enterprise / Mithilfe eines modernen 3-D-Scans haben Rheinsberger eine wertvolle Sargtafel nachbilden lassen

Katharina Kastner
(aus: Märkische Allgemeine; 07.01.2014)

Rheinsberg
Dass Rheinsberg über die Landesgrenzen hinaus für seine Keramik bekannt ist, verdankt die Stadt offenbar einem Berliner Kaufmann: Der Figurenfabrikant Carl Friedrich Lüdicke übernahm 1770 die erste Rheinsberger Fayencefabrik, die acht Jahre zuvor gegründet worden war und nur mit mäßigem Erfolg produzierte. Lüdicke hingegen führte die Firma schnell zu großem Ansehen. Seine Keramik lieferte er sogar an den Zarenhof.

In Gedenken an den erfolgreichen Geschäftsmann hat der Rheinsberger Verein Stadtgeschichte nun Lüdickes Sargtafel nachbilden lassen. Sie soll im Frühjahr auf dem Rheinsberger Friedhof aufgestellt werden, wo der Vater von sieben Kindern 1797 beerdigt wurde.

Bevor Carl Friedrich Lüdicke nach Rheinsberg zog, hatte er eine Steingutfabrik in Berlin betrieben. Weil die Produktion dort aber sehr aufwändig und teuer war, kaufte er für 5000 Taler die Rheinsberger Fabrik. Auf dem Lande waren die Rohstoffe preiswerter und die Löhne niedriger. „Dass in Rheinsberg seit 250 Jahren Keramik hergestellt wird, ist auf Lüdicke zurückzuführen. Er hat die Grundlage für die Keramikproduktion gelegt“, sagt Jörg Möller vom Verein Stadtgeschichte. Der Vorsitzende und andere Vereinsmitglieder haben das Leben Lüdickes erforscht. Der Fabrikant soll so erfolgreich gewesen sein, dass im Sommer 1792 sogar Alexander von Humboldt zur Betriebsbesichtigung nach Rheinsberg kam. Der Wissenschaftler erstellte anschließend ein Gutachten zur Steingutfertigung mit etlichen Verbesserungsvorschlägen, die Lüdicke auch alle in die Praxis umsetzen ließ. Durch den Einsatz von in- und ausländischen Fachkräften und den Ankauf neuer Maschinen entwickelte sich die Rheinsberger Manufaktur zur modernsten und leistungsfähigsten Steingutfabrik in Preußen.

Als Carl Friedrich Lüdicke im Alter von 57 Jahren starb, führten die Witwe Maria Dorothea und der Sohn Karl Valentin die Firma weiter. „Der Familienname hat sich bis heute in Rheinsberg gehalten. Nachfahren sind auch auf dem Schneidersektor berühmt geworden“, sagt Jörg Möller. 130 Jahre nach Lüdickes Tod wurde die Gruft auf dem Rheinsberger Friedhof schließlich eingeebnet und das Berliner Stadtmuseum erhielt die in Zinn gegossene Grabplatte.

Eine Kopie der Sargtafel soll nun auf dem evangelischen Friedhof in Rheinsberg ihren Platz finden - dort, wo sich auch schon die Grabplatte von Prinz Heinrichs Leibarzt Krumteich befindet. Die meisten Grabstellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind inzwischen verschwunden. Nur wenige Grabsteine konnten gerettet werden. Deshalb haben es sich der Verein Stadtgeschichte und die Kirchengemeinde zur Aufgabe gemacht, wertvolle Grabmäler für die Nachwelt zu erhalten. Sie haben auf dem Friedhof ein Plätzchen geschaffen, auf dem diese besonderen Grabsteine abgelegt werden.

An der Nachbildung der rund 30 mal 60 Zentimeter großen Sargtafel des Carl Friedrich Lüdicke ist der Rheinsberger Geschichtsverein schon seit zwei Jahren interessiert, aber „wir haben in ganz Deutschland keine Firma gefunden, die bereit ist, das Teil erneut in Zinn zu gießen“, sagt Jörg Möller. Viel zu groß sei die Gefahr, dass das Original mit seinen pechgefüllten Buchstaben dabei beschädigt werden könnte.

Doch vor wenigen Wochen ist es dem Verein geglückt, an ein Modell der Sargtafel zu kommen: Die Berlinere Firma Trigonart hat einen modernen 3-D-Scan angefertigt. „Das ist nichts Alltägliches, sondern was ganz Besonderes - wie beim Raumschiff Enterprise. Da wird das Objekt ohne jede Berührung vermessen und komplett erfasst“, schwärmt Möller. Die Firma habe auch schon die Büste der Nofretete gescannt.

So aufwändig die berührungslose und schonende Rekonstruktion der Sargtafel war, so teuer war sie auch: Rund 2500 Euro hat das Plastikmodell gekostet. Das Geld hat der Rheinsberger Ortsbeirat beigesteuert. Für das Zinnmodell wären nun weitere 2000 Euro nötig. „Es wäre schön, wenn wir diesen zweiten Schritt auch noch gehen könnten. Aber dafür brauchen wir Sponsoren“, sagt der Vereinschef.


[Bildtitel]
Jörg Möller ist stolz auf die neueste Errungenschaft.
Foto: Kastner

[Transskript Sargtafel]
Alhier ruhet,
der Kauffman und Stifter
hiesiger Engl: Steinguts Fabrique
Herr
Carl Friedr. Lüdieke,
geb: 1739: 11ten May zu Berlin,
Verlebte eine 32 Jährige Ehe, mit seiner hinterlassenen Gattin
Maria Dorothea egb: Junge
die mit derselben erzeugte Kinder
waren 3 Töchter, 4 Söhne, und hin
terliess 3 Enckel, und 3 Enkelin.
Er wurde alt 57 Jahr
11 Monat 9 Tage
Rheinsberg d 20ten April
1797

 
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