STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Baron berichtet über das Kriegsende / Rheinsberger Erlebnisse in einem Büchlein zusammengefasst

Jürgen Rammelt
(aus: Märkische Allgemeine; 23.05.2013)

Rheinsberg
Eigentlich wollte Harald von der Osten-Sacken die Erinnerungen über seine Kindheit und Jugend nur für seine Enkel aufschreiben. Doch daraus wurde mehr: Am Dienstag stand das Büchlein mit dem Titel "Meine Erlebnisse, als die Russen kamen" im Mittelpunkt einer Lesung, die vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg organisiert worden war.

"Ich bin von dem Interesse überwältigt", sagte der heute in Bad Nauheim wohnende Baron. Immerhin waren mehr als 40 Besucher in den Ratskeller gekommen, um zu hören, was der im März 1932 in Feldgrieben geborene Adlige über die letzten Kriegstage zu erzählen hat. Seine Eltern besaßen im heutigen Rheinsberger Ortsteil Feldgrieben das Gutshaus und den Wittwesee, insgesamt 400 Hektar. Aber das war nur ein kleiner Teil der Ländereien: Den Vorfahren, die in Ostpreußen ansässig waren und deren Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, gehörten an der baltischen Ostseeküste riesige Waldflächen und auch zwei Schlösser.

Dort liegt auch der Ursprung für den Namen Osten-Sacken. Denn eben in diesem Landstrich gibt es zwei Flüsse, die Oste und Sacke heißen. "Reich wurden meine Vorfahren unter anderem durch den Holzverkauf", erzählt der 81-Jährige.

Als sein 74-seitiges Buch fertig war, hatte Harald von der Osten-Sacken ein Exemplar an die Stadt gesandt, damit die Erinnerungen im Rheinsberger Archiv einen Platz finden. Die Mitglieder des Geschichtsvereins fanden die Lektüre aber so spannend, dass die meisten heute im Besitz des Büchleins sind.

Am Dienstag berichtete der Autor von der Flucht aus der Gegend von Posen mit einem Pferdegespann, das seine Mutter lenkte: "Die erste Etappe war über 90 Kilometer lang." Insgesamt war die Familie bis Rheinsberg zwei Wochen unterwegs. Er erzählte auch über seine Lehre beim Fischer Ernst Nieselke, an den sich auch Gerhard Drews erinnert, der aus Neuruppin nach Rheinsberg gekommen war. Von der Osten-Sacken spricht über den Einmarsch der Roten Armee, die am 28. April 1945 Rheinsberg erreichte, die Erschießung des russischen Parlamentärs und die darauf folgenden Angriffe der Tiefflieger. "Die erste Zeit war es schon sehr brenzlig", sagt der Baron. Es habe Erschießungen, Vergewaltigungen und Plünderungen gegeben. Die Russen sollen es vor allem auf Schmuck, Uhren, Lederkleidung, Ferngläser und Fahrzeuge abgesehen haben. "Wer sich wehrte, musste damit rechnen, liquidiert zu werden."

Harald von der Osten-Sacken berichtete von seinem asthmakranken Vater und wie seinen Eltern von den Russen das letzte Pferd weggenommen wurde. Aber auch, wie sich seine Mutter und seine Schwestern versteckten, dass im Wald zwischen Beerenbusch, Wittwien und Feldgrieben allerlei Haustiere frei herumliefen und wie die Familie schließlich enteignet wurde.

Unter den Gästen im Saal war auch Inge Krieg aus Zechlinerhütte. Sie hatte einst mit dem Baron zusammen die Schule besucht. Harald von der Osten-Sacken, der eigentlich Naturforscher werden wollte, ging später auf eine Missionarsschule.

INFO
Wer an dem Buch interessiert ist, kann sich unter 033931/37760 bei Jörg Möller vom Verein Stadtgeschichte melden.

[Zitat]
"Wer sich wehrte, musste damit rechnen, liquidiert zu werden"
Harald von der Osten Sacken
Autor

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Harald von der Osten-Sacken hat seine Kindheitseindrücke jetzt niedergeschrieben.

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Wiedersehen: Inge Krieg und der Baron hatten einst zusammen die Schulbank gedrückt.
Fotos (2): Jürgen Rammelt

 
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