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Billiger als Metall 1762 bot ein Baron aus Rheinsberg dem preußischen König erstmals Keramik aus eigener Produktion an (Ruppiner Tageblatt)

(aus: Märkische Allgemeine; 06.01.2012)

Von Jürgen Rammelt RHEINSBERG Siegfried Schwanz brachte es am Ende auf den Punkt. Der einstige Lehrer, der heute in Karwe wohnt, war des Lobes voll für den Vortrag, den Jörg Möller vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg am Mittwoch vor 20 interessierten Leuten gehalten hatte. Doch das Lob wollte Möller nicht für sich allein in Anspruch nehmen. "Es ist das Werk vieler unserer Mitglieder", so der Vereinsvorsitzende.Sein Thema war die Geschichte der Rheinsberger Keramikproduktion. Sie begann 1762, also vor 250 Jahren. Jedoch verwies Möller auf einen archäologischen Fund, der vor etlichen Jahren beim Radwegebau am Rosenplan für Aufsehen sorgte. "Dort wurden die Reste eines Brennofens und auch ein Tonkrug gefunden, den die Archäologen dem 13. Jahrhundert zuordneten. Es ist der Beweis, dass eigentlich schon viel früher in Rheinsberg Keramik hergestellt wurde", erklärte Möller.Ausgangspunkt der Gründungsgeschichte der eigentlichen Keramikmanufaktur ist ein Brief, den ein Baron von Reisewitz 1762 an den preußischen König schrieb. Darin offerierte er dem Monarchen, dass er anstelle von Vasen aus Metall welche aus Keramik liefern könnte, die wesentlich billiger seien. So entstand gegenüber dem Schlosshotel, wo sich früher das Seniorenheim befand, die erste Rheinsberger Keramik- und Tapetenfabrik. Ein langes Leben war ihr nicht vergönnt. Bereits 1763 starb der Baron, die Tapetenproduktion wurde eingestellt, aber für die Keramikherstellung fanden sich mit Christian Andreas Seydel, einem Graf von Kamecke und schließlich mit Carl Friedrich Lüdicke Nachfolger."Lüdicke, der auch in Berlin eine Produktionsstätte hatte, entwickelte die Rheinsberger Keramikproduktion zu voller Blüte", berichtet Möller. Begünstigt wurde die Herstellung durch das sogenannte Markenedikt, nachdem alle Produkte ab 1771 gekennzeichnet werden mussten. "LR stand für Lüdicke in Rheinsberg", so Möller. Gefragte Produkte waren unter anderem kunstvoll bemalte Bierkrüge.Doch auch andere sahen eine Chance in der Keramikproduktion: 1816 entsteht eine zweite Firma, gegründet von einem Apotheker. Doch 1866 wird die Manufaktur in der Rheinsberger Innenstadt geschlossen. "Für die Folgejahre gibt es wenig Belege", berichtet Möller seinen Zuhörern. Unklar ist auch, wann genau die Familie Carstens den Rheinsberger Betrieb erwirbt. Im Raum steht das Jahr 1902.Möller erinnerte auch an die DDR- und die Nachwendezeit. Damals ging der Großteil der Produktion den Export. Er erinnerte auch an den Brand von 1972, der fast die gesamte Produktionsstätte am Damaschkeweg vernichtete. Aber auch die Enteignung der Ausnahmekeramikerin Hedwig Bollhagen, deren Manufaktur dem Rheinsberger Betrieb angegliedert wurde und die Zeit nach der Wende, die mit der Carstens-Keramik und der Rheinsberger Keramik Manufaktur Dornbusch zwei Betriebe entstehen ließ, fanden Berücksichtigung.

 
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