STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Zwischen Blockwarte und Kulturhaus/Verein Stadtgeschichte Rheinsberg will KKW-Geschichte aufarbeiten/Ab 1966 in Betrieb/KKW-Geschichte in Kürze

Jürgen Rammelt
(aus: Wochenspiegel; 29.02.2012)

Rheinsberg (ge). Der 32-jährige Berliner Historiker Sebastian Stude kennt Rheinsberg erst, seit ihn die Liebe hierher verschlagen hat.
Doch künftig wird ihn auch sein Beruf an Rheinsberg binden. Im Auftrag des Rheinsberger Vereins Stadtgeschichte wird Stude in den kommenden Monaten in Archiven und alten Unterlagen stöbern, um die Geschichte des Rheinsberger Kernkraftwerks aus historischer Sicht aufzuarbeiten. Dabei soll für 2013 eine Sonderausstellung unter dem Titel „Zwischen Blockwarte und Kulturhaus“ entstehen. Nicht nur Akten, Unterlagen und Dokumente will der Verein in seinem bisher größten Projekt präsentieren, sondern auch Augenzeugenberichte und Gegenstände, die zur KKW-Geschichte gehören.
Und deshalb gehört ein großer Teil von Studes Zeit auch den Rheinsberger Bürgern.
„Alles was mit dem KKW in Zusammenhang steht, ist für uns wichtig“, so der Historiker. „Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Geschichte des Betriebs- von den ersten Planungen 1955 bis zum Rückbau der Anlage - und seine Bedeutung für die Region.“
„Wir wollen das Thema ohne Tabus angehen“, so Jörg Möller vom Verein Stadtgeschichte und ergänzt. „Solche Fragen wie „Wie sicher war die Anlage?“, „Welche Gesundheitsgefährdungen gingen von ihr aus?“ oder „Welche Rolle spielte die Stasi?“ sollen genauso beleuchtet werden wie die Auswirkungen des KKW auf das soziale Leben in Rheinsberg. Neubauten, eine neue Schule und das Kulturhaus hätte es ohne das KKW wahrscheinlich nicht gegeben.“
Unterstützung bei den Recherchen und der Gestaltung der Ausstellung, die später auch Schulen im Kreis zugänglich sein soll, erhält der Verein u. a. von den Energiewerken Nord, die das KKW-Archiv komplett öffnen, und von Dr. Peter Böthig vom Tucholsky-Museum.
Finanziert wird das Projekt durch die Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, von der Stiftung der Sparkasse OPR und von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.
Rheinsberger Bürger und Auswärtige, die sich mit ihrem Wissen oder Exponaten an der Ausstellung beteiligen möchten, können sich direkt an den Verein wenden (Tel. 033931 37760 oder 0172 1488422).

Ab 1966 in Betrieb
KKW-Geschichte in Kürze

Rheinsberg (WS). Die ersten Planungen für ein Kernkraftwerk bei Rheinsberg stammen aus dem Jahr 1955. Ab 1960 wurde zwischen Nehmitzsee und Großem Stechlinsee bei Rheinsberg das KKW errichtet und ging am 9. Mai 1966 in Betrieb. Es war das erste wirtschaftlich genutzte Kernkraftwerk der DDR. Die entsprechende Technik (z. B. der Reaktor) kam aus der Sowjetunion. Das KKW wurde bis 1990 betrieben und wird seit 1995 von der Energiewerke Nord GmbH rückgebaut. Die wesentlichen Stilllegungsmaßnahmen sollen bis 2014 abgeschlossen sein. Nach einer 2019 beginnenden fünfzigjährigen Verwahrzeit könne die Hauptgebäude 2069 abgerissen werden. Experten schätzen die Gesamtkosten für den KKW-Rückbau auf mehrere hundert Millionen Euro.

 
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