STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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DDR warb mit Atomkraftwerk/Touristen mit Atomkraft gelockt/Rheinsbergs Bürgermeister hat eine Werbebroschüre aus den Sechzigern gefunden

Holger Rudolph
(aus: Ruppiner Anzeiger; 18.07.2012)

Rheinsberg (hr) In einer touristischen Werbebroschüre aus der ersten Hälfte der 1960er Jahre wird „das entstehende Atomkraftwerk“ als „großartiger Ausdruck der Entwicklung unserer Tage“ gelobt. Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU) hat zwei Exemplare des Heftes im Rathaus gefunden. Eines davon soll der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg bekommen. (Rheinsberg)
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Touristen mit Atomkraft gelockt
Rheinsbergs Bürgermeister hat eine Werbebroschüre aus den Sechzigern gefunden

Rheinsberg (hr) Eine kleine Entdeckung hat kürzlich Rheinsbergs Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU) gemacht. Im Rathaus fand er zwei Exemplare eines touristischen Werbe-Heftchens für die Stadt, das zwischen 1962 und 1966 entstanden ist. Ein Exemplar soll der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg bekommen, das zweite bleibt in der Stadtverwaltung.
Die Macher des Prospekts sind nicht klar erkennbar, die Zielgruppe schon. Angesprochen wurden die Touristen, die über die Staatsgewerkschaft FDGB ein Zimmer gemietet hatten, aber auch Individualtouristen. Niemand würde heutzutage damit werben, dass vor Ort schon bald ein Kernkraftwerk entstehen soll. Doch damals galt das entstehende Werk den Autoren des Heftes als etwas Einzigartiges. So heißt es: „Ein großartiger Ausdruck der Entwicklung unserer Tage ist der Bau des ersten Atomkraftwerkes unserer Republik in der unmittelbaren Umgebung Rheinsbergs. An den Ufern des viel besungenen Stechlinsees (…) arbeiten in beeindruckender Gemeinschaft sowjetische und deutsche Wissenschaftler und Arbeiter am Entstehen dieses Energiegiganten.“
Interessant findet Rau auch, was den Gästen zur Versorgung mit Essen offeriert wird: „Immerhin hat unser 5 000 Einwohner zählendes Städtchen in den Monaten April bis Oktober etwa 18 000 Gäste. Es dürfte sichtlich beruhigend auf Sie wirken, wenn ich Ihnen sage, dass während der Mittagsstunden rund 1 700 Gäste bedient werden können.“ Empfohlen wurden unter anderem die HO-Gaststätte Ratskeller, die HO-Gaststätte Friedensklause (heute „Junger Fritz“) und der Rheinsberger Hof (heute „Alter Fritz“). HO hieß damals die staatliche Handelsorganisation.
Um Ihr Auto brauchten sich die Gäste ebenfalls keine Sorgen zu machen. Gab es doch die P 50-Vertragswerkstatt Cramer. Eigentlich nannte niemand den Trabant 500 so, doch im offiziellen Heftchen hieß der Duroplast-Kleinwagen, auf den Interessenten zehn und mehr Jahre warten mussten, P 50. Für die eigene Gesundheit gab es das Landambulatorium, in dem sich heute das Bauamt befindet. Jüngere Rheinsberger wissen mit dem Begriff Ambulatorium vielleicht nicht mehr viel anzufangen. Dort gab es Fachpraxen, die Ambulanzen, unter einem Dach. Wer ein Zimmer mieten wollte, rief übrigens beim Rat der Stadt, der damalige Begriff für Stadtverwaltung, unter Tel. 288 an. Das klappt so heute nicht mehr.

unter dem Bild:
Fundstück: Jan-Pieter Rau mit dem Heftchen, das in der ersten Hälfte der 1960er Jahre entstanden ist. Auf der Titelseite ist das Schloss zu sehen, das damals noch als Diabetikersanatorium genutzt wurde.

 
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