STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Verein(t) auf dem Weg zum Museum / Rheinsberger Geschichtsfreunde sammeln Dokumente zur Entwicklung der Stadt und stellen sie Ins Internet

Holger Rudolph
(aus: Ruppiner Anzeiger; 23.11.2006)

RHEINSBERG • In die Tiefen lokaler Geschichte entführte Jörg Möller am Dienstagabend einige Stadtverordnete. Sie waren der Einladung in den Marstall gefolgt, um mehr über die Arbeit des Vereins Stadtgeschichte .Rheinsberg zu erfahren. Was sie erwartete, war zugleich überraschend und überzeugend.
Möller ist Vorsitzender des 2004 gegründeten Vereins. In erster Linie wollte er die Stadtverordneten über die noch längst nicht komplette, aber schon durchaus sehenswerte Datenbank seines Vereins informieren. Diese ist auf der Homepage www.stadtgeschichte-rheinsberg.de auch für Gäste nutzbar. Allerdings erhalten sie zu den vorgestellten Exponaten und Textpassagen nicht alle Informationen. Diese sind nur von Vereinsmitgliedern oder Datenbank-Nutzern abrufbar, die dafür zahlen. Mitglieder berappen pro Jahr 20 Euro, Datenbank-Nutzer zehn Euro.
In den vergangenen zwei Jahren haben die aus bislang nur elf Mitgliedern bestehenden Stadtgeschichtler in verschiedenen Archiven gestöbert und eine Vielzahl von Schrift- und Bilddokumenten in ihrer virtuellen Sammlung zusammengetragen. Darunter befinden sich auch viele Ausgaben der einstigen Rheinsberger Zeitung.
Dass die Suche nach einem bestimmten Begriff für Mitglieder eine Vielzahl von Treffern bringen kann, verdeutlichte Möller mit Hilfe eines Beispiels. Er gab das Wort „Kasino" ein. Die gefundenen Artikel erläuterten, dass es sich bei dem Gebäude, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Kasino genutzt wurde, um das einstige Küchengärtner-Häuschen auf der der Stadt abgewandten Seite des Grienericksees handelt. Dieses wurde allerdings schon um die Wende zum 20. Jahrhundert abgerissen. Auch einige Bilder fanden sich im von den Stadtgeschichtlern angelegten Archiv. Seit vier Wochen arbeitet die Lindowerin Yvonne Frenkel im Rahmen einer auf ein Jahr angelegten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beim* Verein. Sie scannt 1800 .Fotos zur Geschichte der Stadt und archiviert sie auf der Homepage. Auch die Aufzeichnungen eines früheren Ortschronisten sollen in die digitale Datensammlung gelangen. Diese Arbeit ist besonders aufwändig, denn der Chronist hatte die Informationen seinerzeit auf Karteikarten zusammengetragen. Seine Texte müssen nun Wort für Wort ins Archiv eingegeben werden.
Zurzeit hat sich der Verein im oberen Bereich des nördlichen Marstall-Kopfbaus eine
kleine Heimstatt eingerichtet. Langfristig plant er aber ein Museum zur Stadtgeschichte. Die vor drei Jahren neu hinzugekommenen Ortsteile sollen dabei weitgehend ausgeklammert werden. Und auch das Schloss und der Park sollen nicht Gegenstand der Dauerausstellung sein. Sie seien durch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg umfassend dokumentiert, erläuterte Möller. Der noch junge Verein trägt außerdem Gegenstände zusammen, die in ein solches Museum passen. Bisher sind es noch recht wenige, zum Beispiel ein Carmol-Medizinfläschchen, das der Sprecher des Kernkraftwerks, Helmut Gruhle, spendierte. Von ihm stammt auch eine Vase aus Porzellan, deren Boden das signifikante „R" für Rheinsberg ziert, allerdings umgeben von einem untypischen Kranz. Sicher ist, dass die Vase aus DDR-Zeiten stammt, denn ein „Made in GDR" ist ebenfalls zu finden. Vor einem kleinen Rätsel stehen die Vereinsmitglieder dennoch: Dass außer Keramik auch Porzellan wie jene Vase aus Rheinsberg kam, war ihnen bisher nicht bekannt.
Ratsmitglied Martin Gilde (Für Rheinsberg) war gegen Ende der Veranstaltung begeistert von der Arbeit des Vereins: „Ich bin sehr beeindruckt von dem, was in so kurzer Zeit entstanden ist."
Die Hobby-Historiker haben sich noch viel vorgenommen. Sie wollen Archive bei Kreis und Land durchforsten, um wichtige Dokumente zu fotografieren. Noch fehlt es aber an einer hochwertigen Kamera ebenso wie an einem leistungsstarken Server. Mehr Mitglieder würden auch ein Mehr an Beiträgen bedeuten. Möller: „Wir können das nicht weiter alleine schaffen." Alle, die sich für den Verein interessieren, haben die Möglichkeit, einmal in dessen Arbeit hineinzuschnuppern. Immer dienstags ab 19 Uhr treffen sich die Geschichtsfans in der Ober-Etage im Nordkopf des Marstalls.

 
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