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Dienstanweisung für Nachtwächter aufgetaucht - Rheinsberger Stadtarchiv ist um ein wertvolles Exponat reicher (Ruppiner Tageblatt)

Christian Kranz
(aus: Märkische Allgemeine; 09.11.2007)

JÜRGEN RAMMELT
RHEINSBERG
Welche Aufgaben hatte vor über 100 Jahren ein Nachtwächter in den Gemeinden und Gutsbezirken der Ostprignitz? Darüber gibt ein Büchlein aus dem Jahre 1902 Auskunft, das vor wenigen Tagen Rheinsbergs Bürgermeister Manfred Richter übergeben wurde. Erhalten hatte das Stadtoberhaupt es von Dorothea Zillmann, einer Rheinsbergerin. Sie hatte das Heft zu Hause beim Aufräumen gefunden.

Beim Lesen stellte der heutige Verwaltungschef fest, dass es sich dabei um eine richtige Dienstanweisung mit strengen Regeln handelt. So war festgelegt, dass nur „ein unbescholtener, körperlich und geistig gesunder Mensch“ in der Nacht für Ordnung und Sicherheit sorgen darf. In einem anderen Punkt war festgelegt, dass der Wächter während seiner Dienstzeit weder seine Wohnung noch einen Krug aufsuchen darf, was sich sicher auf ein Gasthaus bezog. Von September bis April ging seine Dienstzeit von 10 bis 4 Uhr und in den übrigen Monaten von 11 bis 3 Uhr. Ausgestattet war der Wächter mit einer Pike, einem Signalhorn und einer Pfeife.

Zu jeder vollen Stunde musste er pfeifen. Wenn er das vergaß, wurde nicht selten angenommen, dass er seine Pflichten nicht erfüllt und vielleicht irgendwo ein Nickerchen macht. Die Pike war eine Art Waffe, die nur eingesetzt werden durfte, wenn das Leben des Wächters in Gefahr war. In einem solchen Fall konnte der Wächter mittels der Pfeife auch den Gendarmen rufen. „Diebe und liederliches Gesindel sind unverzüglich zu verhaften“, heißt es in einem der 16 Paragrafen in der sieben Seiten umfassenden Anweisung.

Für den Bürgermeister ist das Heft ein Stück Stadtgeschichte. „So etwas darf auf keinen Fall verlorengehen“, sagt Richter. Deshalb wird er auch das Büchlein dem Leiter des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums, Peter Böthig, übergeben, der in Rheinsberg für die stadtgeschichtliche Sammlung verantwortlich ist. „Sollte jemand anderes auch noch solche historischen Schätze besitzen, wäre es schön, wenn die Stadt davon Kenntnis erhält“, sagt Richter. Dabei ginge es nicht darum, dass die Dinge den Besitzer wechseln sollten. Es könnte auch eine Leihe vereinbart werden, wenn der Eigentümer sich davon nicht trennen möchte.

Für historische Gegenstände und anderes stadtgeschichtliches Material interessiert sich auch der Verein „Stadtgeschichte Rheinsberg“. Der Verein verfügt über eine Internet-Datenbank, in der das gesammelte Material dokumentiert wird. Sowohl die Mitglieder des Vereins als auch interessierte Bürger haben unter bestimmten Bedingungen Zugriff zu den gespeicherten Daten.

Wer mehr wissen möchte, kann sich unter Tel. 033931/37760 beim Vereinsvorsitzenden Jörg Möller schlaumachen.

 
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