STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Testament eines Rheinsberger Tuchmachers aufgetaucht Historie Verein „Stadtgeschichte“ hat den Text von Sütterlin in die heute gebräuchlich lateinische Schrift übertragen lassen (Ruppiner Tageblatt

Jürgen Rammelt
(aus: Märkische Allgemeine; 16.08.2008)

Von Jürgen Rammelt RHEINSBERG  Der Verein „Stadtgeschichte Rheinsberg“ darf sich über ein neues Exponat in seiner Sammlung freuen. Dabei handelt es sich um die Kopie eines handschriftlichen Testaments, das von Johann Christian Loycke, einem Rheinsberger Tuchmacher, verfasst wurde. Der Handwerker hat im 18. Jahrhundert in Rheinsberg gelebt und war, wie in einer alten Stadtchronik zu lesen, auch als Stadtrat und Kämmerer politisch aktiv. Eigentümerin des originalen Papiers ist I. K.. Die 67-Jährige ist eine geborene Loycke, die in Inzell in Bayern wohnt. Das Dokument hat sie von ihrem Vater geerbt. „Als junges Mädchen habe ich mich wenig für solch alte Papiere und die Familienforschung interessiert“, berichtet sie am Telefon. Doch als sie durch das Papier erfuhr, dass ihre Vorfahren in Rheinsberg gelebt haben, habe sie nicht gezögert und sei spontan nach der Wende mit ihrer Schwester nach Rheinsberg gefahren. Doch diese Reise liegt schon wieder einige Jahre zurück. Um mehr über ihre Wurzeln zu erfahren, stieß I. K. schließlich bei einer Internet-Recherche auf den Rheinsberger Geschichtsverein. „Eines Tages erhielt ich einen Anruf aus Inzell, in dem mir Frau K. von dem Testament erzählte“, berichtet der Vereinsvorsitzende Jörg Möller. Man vereinbarte den Briefkontakt und wenige Wochen später hielt der Rheinsberger das kostbare Dokument in seinen Händen. Da es gar nicht so einfach ist, die damals übliche Sütterlin-Schrift zu lesen, war der Verein froh, dass er mit Doris Lippuner eine Frau in seinen Reihen hat, die so etwas noch kann. Doch auch für die ehemalige Kindergärtnerin, die inzwischen 73 Lenze zählt, war das keine einfache Sache. Jetzt ist das Werk vollbracht. Johann Christian Loycke vererbt in dem Papier seinen zwei Töchtern, die ihm vermutlich die Wirtschaft gemacht haben, im Voraus je 100 Goldthaler. Den verbleibenden Rest sollen sich dann die vier Kinder, zu denen noch zwei Söhne gehören, teilen. Aber auch ein Garten im sogenannten Kerkenpol und weitere Länderein in den Vordersten Wiesen und im Lütgen Luch gehören zur im Testament erwähnten Erbmasse. Zu denen, die gespannt waren, was in dem Testament steht, gehören die Vereinsmitglieder und vor allem I. K.. Sie hat inzwischen herausbekommen, dass der Sohn von Johann Christian Loycke, Johann Samuel, am 12. Januar 1783 in Rheinsberg geboren wurde und später eine Lehre als Landschaftgärtner im Rheinsberger Schlosspark absolvierte und dann als Kunstgärtner in Schlesien arbeitete. Außerdem ist I. K. noch im Besitz eines Biedermeier-Bildes, das 1813 entstanden ist. Es ist eines von drei Bildern, das einen der Söhne von Johann Christian Loycke zeigt. Die Inzellerin berichtet, dass die beiden anderen Bilder vermutlich in Schlesien verbrannt sind. Was die Familie des Tuchmachers Loycke betrifft, ist Jörg Möller ebenfalls fündig geworden. In der „Chronik von Rheinsberg verbunden mit den wichtigsten Begebenheiten der vaterländischen Geschichte“ von Karl Hoppe wird auf die Städteordnung vom August 1809 Bezug genommen. So wird als Ratsmann unter anderem der Tuchfabrikant Loycke sen. genannt. Neben einem Kaufmann Betzien als Vorsteher werden der Tuchfabrikant Loycke jun. als Protokollführer und ein weiterer Loycke als Bezirksvorsteher erwähnt.

 
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